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CfP: Von Flussidyllen und Fördertürmen

Literatur an der Nahtstelle zwischen Ruhr und Rhein

Wissenschaftliche Tagung der Stadtbibliothek Duisburg, des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt (Dortmund) und der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets (Bochum) im Rahmen der 33. Duisburger Akzente „Hafen der Kulturhauptstadt“, 4.-5. Juni 2010, Schifferbörse, Ruhrort (4.6.: 10.00-18.00 Uhr, 5.6.: 10.00-16.00 Uhr)

Tagungsleitung: Dr. Jan-Pieter Barbian, Stadtbibliothek Duisburg; Hanneliese Palm, Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt; Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets

1. Ausgangslage

„Der Rhein“ erscheint als eine idyllische Flusslandschaft mit gepflegten Städten, als ein positiv besetzter Mythos und literarischer Topos – im Gegensatz zur „Ruhr“. Der Fluss, der der Region ihren Namen gab, begleitete seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die rasante Entwicklung von einer agrarisch geprägten Landschaft zu einer industriellen Kernzone. Als solche hat sie ambivalente Bilder erzeugt. Für die einen war das Ruhrgebiet ein schwarzes Stück Deutschland, eine Region harter und schmutziger Arbeiten, bescheidener Lebensverhältnisse, geschichts- und kulturloser Städte, zerstörter Natur, unkontrollierter wirtschaftlicher Macht. Andere sahen im Ruhrgebiet ein Vorbild für die moderne Arbeits- und Lebenswelt, für die Faszination der Technik, für eine internationale und solidarische Gesellschaft, für die Metropolen der Zukunft. Beide Sichtweisen finden sich in der deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts wieder – in Romanen, Erzählungen und Gedichten ebenso wie in Reportagen, Essays, Rundfunk- und Zeitungsbeiträgen. Heinrich Hauser beispielsweise beschrieb in seinem Reportageband „Schwarzes Revier“ (1930) die Tristesse der Landschaften und das karge Leben der Menschen im Ruhrgebiet – und fühlte sich am Ende seines Buches in Köln befreit von diesem „Krieg“.

Erik Reger, der in seinen Romanen „Union der festen Hand“ (1931) und „Das wachsame Hähnchen“ (1932) die sozialen Schichten des Ruhrgebiets, die reaktionären oder provinziellen Denk- und Lebensweisen seziert hatte, verließ mit seinem 1933 veröffentlichten Roman „Schiffer im Strom“ die Duisburger Industriekulisse über Ruhrort rheinaufwärts nach Andernach. Dagegen zeichnete Alfons Paquet in der Weimarer Republik nicht nur ein positives Bild der rasanten Technik- und Wirtschaftsentwicklung des „Giganten an der Ruhr“, sondern entwirft erstmals auch die Vision einer vernetzten Rhein-Ruhr-Metropole. Am Ende der 1950er Jahre rückte der Kölner Heinrich Böll die besondere Sozialgeschichte des Ruhrgebiets in den Blick und beschrieb den „Schmelztiegel“ als Heimat. Der Antagonismus zwischen Ruhr und Rhein wirkte lange nach.

So schrieb Jürgen Lodemann in seinem Roman „Erinnerungen in der Zornigen Ameise an Geburt, Leben, Ansichten und Ende der Anita Drögemöller und Die Ruhe an der Ruhr“ (1975) auch über die Fremdbestimmung der Malocher des Ruhrgebiets durch die Zentren der damaligen politischen und unternehmerischen Macht, Düsseldorf und Bonn.

2. Zielsetzung der Tagung

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der konkreten Substanz der Mythen, Topoi und Bilder – sowohl für das Rheinland als auch für das Ruhrgebiet. Unterschiede ebenso wie Gemeinsamkeiten sollen im Hinblick auf ihre literarische Darstellung wechselseitig untersucht werden. Von besonderem Interesse ist dabei der Wandel, den die Mythen, Topoi und Bilder vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart durchlaufen haben.

Besonders spannend könnte dabei die Fragestellung sein, welchen Beitrag Arbeitsmigranten, die es an Ruhr und Rhein seit langem gibt, zur Eigen- und Fremdwahrnehmung der beiden Regionen geleistet haben. Zur Gesamtthematik liegt abgesehen von einzelnen Vorstudien noch keine zusammenhängende Darstellung vor. Daher sollte es im Rahmen der Tagung um zwei Ziele gehen. Zum einen sollen die vorhandenen Forschungen und Erkenntnisse zusammengetragen werden, um einen Überblick über zwei Jahrhunderte deutscher Literatur im Hinblick auf die „Nahtstelle Ruhr und Rhein“ zu erhalten. Zum anderen sollen bislang unbeachtete Aspekte des Themas erschlossen und neue Forschungen angeregt werden. Die Vorträge werden – gegebenenfalls ergänzt um weitere Beiträge – in einem Tagungsband veröffentlicht, der im Frühjahr 2011 erscheinen kann.

Damit wird die Reihe der Tagungen und Publikationen fortgesetzt, die 2008 in Dortmund mit der „Entdeckung des Ruhrgebiets in der Literatur“ und 2009 in Bochum mit dem „Literaturwunder Ruhr“ begonnen wurde. Die dritte Tagung soll im Rahmen der 33. Duisburger Akzente als Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr stattfinden. Mit der Schifferbörse wurde ein Tagungsort ausgewählt, der geografisch genau an der „Nahtstelle zwischen Ruhr und Rhein“ liegt und in Erik Regers Roman „Schiffer im Strom“ sogar explizit erwähnt wird.

3. Desideratenliste

Transkulturalität als Kennzeichen der Region
Der Niederschlag wirtschaftlicher Krisen des 20. Jahrhunderts in der Literatur
Kabarett als Spiegel regionaler Identität nach 1945
Das Ruhrgebiet als Thema des Rundfunk-Hörspiels nach 1945
Das Ruhrgebiet in der Trivialliteratur nach 1945
Zeitschriften / Illustrierte nach 1945 als Medium regionaler Identität
Besondere Berücksichtung finden Themen, die die Schnittstelle Rhein-Ruhr im Blick haben.

Teilnahmegebühr: 10 € pro Tag
Tagungsorganisation: Petra Dobler-Wahl und Melanie Strauß, Stadtbibliothek Duisburg

Kontakt:
Stadtbibliothek Duisburg
Düsseldorfer Straße 5-7
47051 Duisburg
Tel.: 0203-2832593
Fax: 0203-2834294
Mail: stadtbibliothek@stadt-duisburg.de