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Bernd Kortländer: Herbert Eulenberg

Herbert Eulenberg war die Inkarnation eines „rheinischen Dichters“. Kaum einer der vielen hundert Zeitungsartikel, der Aufsätze, literaturgeschichtlichen Beiträge und Abhandlungen über ihn und sein Werk verzichten auf diese Kennzeichnung, und auch seine Fans adressierten ihre Post an „Herrn Herbert Eulenberg, rheinischer Dichter, Düsseldorf-Kaiserswerth“ ohne je befürchten zu müssen, der Brief könne nicht ankommen.

Wenn „rheinisch“ heißt, im Rheinland aufgewachsen zu sein, dort gelebt und gewirkt zu haben, dann ist Eulenberg wirklich rheinischer Dichter par excellence. Zudem bediente er alle landläufigen Klischees des Rheinländers: Er war gesellig, impulsiv, streitlustig, fröhlich, ein großer Weinliebhaber, neigte zu Sentimentalität und Ironie, aber auch zum Absonderlich-Phantastischen, und seine weiche, etwas hohe Stimme trug unverkennbare Merkmale des rheinischen Dialektes. „Rheinisch“ bedeutete zu Beginn des Jahrhunderts aber auch „nicht aus Berlin“, verwies auf Regionales, auf die Provinz. Dieser Verweis war oft negativ gemeint, vor allem wenn er aus Berlin kam. Für die rheinischen Dichter selbst allerdings sollte er positiv eine antimodernistische, eigenständige Haltung bezeichnen. Und im Gegensatz zu den meisten seiner Mitstreiter gelang es Eulenberg tatsächlich, ein Image zu entwickeln und über die Jahre zu behaupten, das ihn dem deutschen Publikum als rheinischen Dichter und zugleich als nationale, ja als europäische Figur erscheinen ließ.

Schon früh geriet er dabei allerdings in einen merkwürdigen Zwiespalt, traten seine Anerkennung als Autor und die Hochschätzung seiner Person als bürgerlich-liberaler Vertreter der humanistischen Tradition unübersehbar auseinander. Das wird schlaglichtartig erhellt durch ein Ereignis aus dem Jahr 1932. Um diese Zeit ist es bereits sehr still geworden um den Autor Eulenberg. Der Absatz seiner literarischen Erzeugnisse ist, mit Ausnahme der „Schattenbilder“, seit Mitte der 20er Jahre weitgehend zum Erliegen gekommen; die deutschen Bühnen ignorieren seine Dramen; die großen Erfolge liegen lange zurück. Er verdient sein Geld mit Brotarbeit: Vorworte, Herausgeberschaften, Rezensionen und kleine Feuilletons. Daneben schreibt er in seiner wunderschönen Handschrift und mit der charakteristischen violetten Tinte unablässig weiter für die Schublade: Dramen vor allem, aber auch Romane, Geschichten, Verse. Aus seinen Briefen klingt das Gefühl des Ausgemusterten, Abgeschobenen heraus. Da bringt die deutsche Presse am 14. Oktober eine kleine Meldung des Inhalts, der "rheinische Dichter Herbert Eulenberg" sei auf der Kaiserswerther Straße in Düsseldorf „von einem Kraftfahrzeug erfaßt und zu Boden geschleudert“ und in bedenklichem Zustand in die Klinik eingeliefert worden. In den folgenden Tagen erhielt er eine Flut von brieflichen und telegraphischen Genesungswünschen aus ganz Deutschland, das dicke Papierbündel liegt noch in seinem Nachlaß, der jetzt im Heine-Institut in Düsseldorf verwahrt wird. Unter den Absendern waren die Oberbürgermeister von Köln, Düsseldorf und Trier, die Dichter Thomas Mann und Gerhart Hauptmann, aber auch Verehrer aus Hamburg und Berlin, der Schriftstellerverein Recklinghausen ebenso wie die Gruppe Junge Künstler aus Düsseldorf.

Dieser außerordentliche Liebesbeweis eines Publikums, das gleichzeitig seine literarische Produktion weitgehend ignorierte, ist charakteristisch für das Dilemma, in dem Eulenberg von Anfang an steckt. Den Durchbruch als Dramatiker, nach dem er so sehr strebte, hat er nie geschafft. Die Kritik bemerkte bereits 1911, er werde als der deutsche Autor mit den meisten Premieren und den wenigsten Aufführungen in die Geschichte eingehen. Auch als Romancier und Lyriker gab es allenfalls Achtungserfolge, und nur das Nebenprodukt der „Schattenbilder“ wurde vom Publikum goutiert. Aber trotz aller Verrisse und dem langsamen Verschwinden seines Werkes: Als Persönlichkeit des deutschen Geisteslebens, als geistig-moralische Autorität, als liebenswerte Inkarnation des ‚rheinischen Poeten‘, war er nach wie vor im Bewußtsein eines erstaunlich großen Teils nicht nur der rheinischen, sondern der gesamten deutschen Öffentlichkeit präsent. Herbert Eulenberg war, ohne daß er es selbst merkte und gewiß ohne daß er es gewollt hätte, bereits zu Lebzeiten zur Legende seiner selbst geworden. Eine Autorität war er vor allem im Rheinland. Eulenberg lieh seine Feder ohne Zögern jeder halbwegs fortschrittlichen Bewegung; er protegierte die Maler des Jungen Rheinland ebenso wie den Verein der Friedensfreunde in Düsseldorf; schrieb auf entsprechende Bitten einen Beitrag für den jüdischen Central Verein wie für den Monistenbund. Seit 1905 setzte er sich unermüdlich für eine angemessene Heine-Ehrung insbesondere in Düsseldorf ein, trat noch 1930 bei einem Vortrag in heiligem Zorn einer Gruppe störender SA-Männer entgegen und wurde selbst 1932 im Künstlerklub Malkasten bei einem Heine-Vortrag angepöbelt.
Legendär war auch die Gastfreundschaft in Eulenbergs „Haus Freiheit“ in Kaiserswerth. Kein anderer Ort der Stadt hat soviel Prominenz versammelt gesehen, wie der eigenartige Salon der Eulenbergs mit dem riesigen, goldumrahmten Kamin. Ob die Familie Hauptmann, die Manns, Hesse, Werfel mit Frau Alma, Jakob Wassermann, Maximilian Harden, Joachim Ringelnatz, Klabund, Carl Zuckmayer; die Maler Lovis Corinth, Otto Dix oder Max Pechstein, die ihn alle drei porträtierten; die Musiker Hans Pfitzner, Richard Strauß, Edwin Fischer oder Elly Ney; die Schauspieler Paul Wegener, Heinrich George, Alexander Moissi, Werner Kraus, Fritzi Massary, Henny Porten und Heinz Rühmann, bei dessen Besuch, wie Eulenberg in seinen Lebenserinnerungen schreibt, „unser Garten von Backfischen aus dem Lyzeum der Diakonissenanstalt belagert wurde“: Sie alle genossen offenbar die geistreiche und liebenswürdige Gastfreundschaft von Herbert und Hedda Eulenberg und die besondere Atmosphäre des Hauses am großen Fluß.
Die 12 Jahre Nazidiktatur trieben die Legendenbildung dann noch auf die Spitze. Als bekennender Pazifist, als öffentlicher Verehrer Heinrich Heines, aber auch durch die Verbindung zur Familie Maase, der Familie seiner Frau, aus der verschiedene Mitglieder in Konzentrationslager verschleppt wurden, war Eulenberg den braunen Machthabern von Anfang an verdächtig. Er wurde schikaniert, totgeschwiegen, aber auch öffentlich angegriffen. Doch waren seine Beziehungen und Freundschaften zunächst stark genug, um ihm kleine Freiräume zu erhalten, in denen er auch veröffentlichen und Geld verdienen konnte. Insbesondere der Düsseldorfer „Mittag“ und die „Kölnische Zeitung“ öffneten ihm noch ihre Seiten. Erst mit Kriegsbeginn ist das zu Ende. Die Alternative lautet jetzt: entweder verbiegen und anpassen oder Ruin. Mutig entscheidet er sich für die Aufgabe jeder Erwerbsquelle und ein mühsames Überleben mit Hilfe der Freunde. Voller Galgenhumor unterzeichnet er in dieser Zeit Briefe auch schon einmal mit „Heil Schiller!“

Nach Kriegsende wurde Herbert Eulenberg dann zum Inbegriff des guten Menschen, zu einer Ikone des bürgerlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Seine Haltung war in der Tat bewundernswert aufrecht und beispielhaft. Thomas Mann drückte das in einem Schreiben an Eulenberg vom 26.7.1947 aus: „Sie haben schwer gelitten, unverschmerzbare Einbussen erfahren, grössere Opfer zu bringen gehabt, als die Mitglieder der fatalen Körperschaft, die sich die ‚Innere Emigration‘ nennen, und die ich sitzengebliebene Dummköpfe heisse, Ofenhocker, über denen der Ofen zusammengefallen ist, und die sich dieses Malheur nun zur höchsten Ehre und als Treue zu Deutschland anrechnen.“ Und an Hedda Eulenberg schreibt er kurz zuvor: „Dabei ist meine Bewunderung für Solche, die sich gehalten haben wie Ihr bewundernswerter Gatte, grenzenlos. Nicht Ehrenbürger von Düsseldorf sollte er heissen, sondern Ehrenbürger der Welt - und wird auch so heissen.“ Aber das Ausmaß der Verehrung, die Eulenberg jetzt in Deutschland entgegenschlug, ist doch ungewöhnlich, und man kann sich teilweise des Eindrucks nicht erwehren: An ihm wird exemplarisch und weitgehend gefahrlos schlechtes Gewissen abgearbeitet und Wiedergutmachung demonstriert. Den Anfang machte die Stadt Düsseldorf. Im Januar 1946 verlieh sie ihm zu seinem 70. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde. Es folgen weitere Literaturpreise und Auszeichnungen, so im Juni 1948 der Ehrendoktor der Medizinischen Akademie Düsseldorf. Kurz vor seinem Tod erhält Eulenberg die Nachricht, daß ihm der Nationalpreis der dann erst im Oktober 1949 proklamierten Deutschen Demokratischen Republik zuerkannt worden sei.

Und bei all den Ehrungen, die Eulenberg mit Genugtuung, aber auch mit Humor über sich ergehen ließ - so soll er angesichts seines leeren Weinkellers den Düsseldorfer OB ermahnt haben, einen Ehrenbürger vor dem Verdursten zu retten - merkte niemand so recht, daß er auch zuletzt noch vor allem um sein Überleben als Autor kämpfte. Diesen Kampf hatte er allerdings bereits früher verloren. Was von ihm bleibt, ist die Erinnerung an einen Künstler und Menschen, der sich auf seine liebenswürdig ‚rheinische‘ Art eingemischt hat in die Kämpfe seiner äußerst bewegten Zeit und sich dabei weder moralisch noch künstlerisch hat verbiegen lassen. Blickt man sich um unter seinen Zeit- und Weggenossen, dann ist das sehr viel. Es verdient unseren Respekt und verpflichtet uns gerade in Düsseldorf, immer wieder an ihn und sein Werk zu erinnern.


Im Werk Herbert Eulenbergs spielt der Rhein als Thema nur eine Nebenrolle. Das kann nicht verwundern bei einem Autor, der sich selbst vor allem als Dramatiker verstand und entsprechend den Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Bühne sah. Und dennoch ist der Fluß, ist die spezifische Landschaft des Niederrheins, sind die Menschen des Rheinlands für diesen Autor so etwas wie der geheime Mittelpunkt seiner Existenz und seines Werkes gewesen.

Daß der Rhein für sein Leben eine bedeutende Rolle gespielt haben muß, wird jeder sofort einsehen, der einmal das Wohnhaus des Dichters in Kaiserswerth bei Düsseldorf besucht hat. Es liegt in direkter Nachbarschaft zur zerstörten Kaiserpfalz auf der südwestlichen Ecke des Walls, der früher die Stadt umgab. Die exponierte Lage erlaubt einen weit ausgreifenden Blick auf den Fluß, der bereits eine imposante Breite erreicht hat. Über den Strom hinweg geht der Blick auf die flache, weite niederrheinische Landschaft am anderen Ufer. Eine Fähre versieht hier bis heute ihren Dienst, und ein reger Schiffsverkehr sorgt für Abwechslung auf dem Wasser. Am Abend leuchten im Süden die Lichter von Düsseldorf, im Norden die von Krefeld und Duisburg.

Das Arbeitszimmer des Dichters lag im ersten Stock eines Anbaus an das Haupthaus mit einem Fenster zum Rhein hin, von diesem nur durch den Garten und eine Reihe Pappeln getrennt, die das Haus umstehen. Eulenberg selbst hat die Bedeutung dieses Hauses für sein Leben und Schaffen immer wieder betont. So heißt es in einem Sonett:


...
Mein Leben war durch dies mein Haus erhellt,
Es war für mich ein Stück der Seligkeit,
Der sich der Fromme in Gebeten weiht.
Auf diesen Grund hab\' ich mein Glück gestellt.


Und wollt\' ich oft auch mich ins Ferne sehnen,
So hielt es stets mich hier am Strome fest.


Die starke Verwurzelung seiner privaten Existenz am Ufer des Rheins hat er in seinen Lebenserinnerungen mit der Geschichte seiner Familie zu erklären versucht: „Dem Umstand, daß mein Geschlecht schon seit Jahrhunderten am Rhein verwurzelt ist, schreibe ich zum Teil auch meine eigene Anhänglichkeit an diesen meinen heimatlichen Strom zu. Nur einige unter den wenigen Künstlern der Vergangenheit, die am Rhein geboren sind, haben ihrem Heimatstrom ihr Leben lang die Treue bewahrt. ...Ich bin niemals lange von unserem großen Strom, an dem mein Dasein begonnen hatte, entfernt gewesen ...“

Schon in der letzten Zeile des Sonetts („So hielt es stets mich hier am Strome fest“) wird etwas von dem Widerspruch sichtbar zwischen dem die Freuden der Seßhaftigkeit und die Anhänglichkeit an die Heimat verkörpernden Haus und dem die Bewegung, den Aufbruch, die Nichtseßhaftigkeit, aber auch Universalität und Ferne symbolisierenden Strom. Etwas von diesem Widerspruch findet sich auch in dem Namen „Haus Freiheit“, den Eulenberg seinem Haus am Strom gab. Der Name fällt zum erstenmal im zweiten seiner drei lyrischen Selbstporträts aus dem Jahr 1914. Damals hißte er bei Kriegsausbruch in seiner Verzweiflung über die Menschheit und Deutschland insbesondere am Rheinufer eine weiße Fahne. Und tatsächlich blieb das Haus eine Insel der Freiheit und des Friedens im allgemeinen Aufruhr, dessen Wogen den Hausherrn schon bald fortspülten bis in die Türkei und bis ins Baltikum. Im umfangreichen Briefwechsel mit seiner Frau aus dieser Zeit wird immer wieder das Bild des Hauses am Strom beschworen, das ihm über Trennung und Not hinweghilft und Fluchtpunkt seiner Gedanken in der Ferne ist.

Dieses offene und etwas widersprüchliche Verständnis von seiner rheinischen Heimat ist charakteristisch für Eulenberg, und er selbst erkennt in solcher Gebrochenheit, wie wir sehen werden, auch das Kennzeichen des Rheinischen. Diese Haltung ist dafür verantwortlich, daß er kein Heimatdichter wurde wie Wilhelm Schmidtbonn, und auch den nationalen Aufladungen des Rheins nicht verfiel, wie Wilhelm Schäfer. Zwar war er mit Schmidtbonn befreundet, der zu Beginn des Jahrhunderts zwei erfolgreiche Sammlungen mit Geschichten vom Niederrhein herausbrachte; sie wurden auch in der Kritik häufig zusammen genannt als die beiden bedeutendsten „jungrheinischen“ Talente, aber Eulenberg hat sich zu Recht gewehrt gegen diese Zusammenstellung. Bei Schmidtbonn definiert sich das Rheinische nicht zuletzt aus der Verhaftung im Blut und im Boden, seine Charaktere sind häufig von einem Schicksal bestimmt, das auf mysteriöse Weise mit der Landschaft zusammenhängt. Solchem biologischen Determinismus verweigert Eulenberg sich völlig zugunsten einer kulturellen Qualifizierung des Rheinischen. Im Zusammenhang mit seinem Heine-Porträt heißt es: „... diese Selbstironie, diese Zwiespaltigkeit des Innern, die sich immer als Doppelgänger sieht, diese unüberwindliche Scheu vor allem Pathetischen, diese quälerische Lust, allem Ernsten eine Fratze zu ziehen ... alle, die Rheinländer sind, fühlen, daß dies ihre eigene tragikomische Domäne der Empfindungen ist, daß Heine nur das Echo ihres Herzens war,...“

Nun ist zumal Eulenbergs dramatisches Werk sicher nicht in erster Linie ironisch. Aber es ist in vieler Hinsicht gebrochen, und diese Gebrochenheit äußert sich auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Aus dem Abstand heute ist zumindest verwunderlich, daß der Autor trotz erstaunlicher Erfolge als Essayist und beständiger Mißerfolge als Dramatiker hartnäckig und zäh im Drama seine eigentliche Bestimmung sah. Seine Karriere begann mit dem Desaster eines „Münchhausen“-Dramas im Jahre 1902 in Berlin und endete in einer Folge von Klageliedern, die Eulenberg - freilich ohne einschneidende Wirkung - seit Ende des 1. Weltkrieges über die Presse auf die deutschen Intendanten niedergehen ließ. Diese ignorierten ihn seit Anfang der 20er Jahre in einem Maße, daß 1926, zu Eulenbergs 50. Geburtstag, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Hans Pfitzner, Richard Strauß und Max Liebermann einen Aufruf an die deutsche Öffentlichkeit und insbesondere an die Theater verfaßten, Herbert Eulenberg nicht zu vergessen. Geholfen hat auch diese ungewöhnliche Maßnahme nicht. Er selbst sah den Grund für sein Scheitern auf der Bühne in der ihm anfänglich aufgedrängten, später aber auch bereitwillig akzeptierten Rolle des Anti-Naturalisten. Als Gegenspieler zu Hauptmann und Sudermann wurde er von deren Kritikern ins Feld geführt, eine Rolle, die in der Tat einige Nummern zu groß für ihn war.

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