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Bühne frei!

Kabarettheroen aus Westfalen geben im Museum für Westfälische Literatur ihre Visitenkarte ab

Da stehen sie nun gemeinsam in einem Raum, die Kabarettheroen von anno dazumal. Robert Nippoldt hat ihre Konterfeis entworfen. So naturgetreu, dass der Betrachter meint, sie stünden ihm leibhaftig gegenüber. Sein Gestalterkollege Christian Büning hat noch eins drauf gesetzt und die sechs Herren – beim Katalogcover – in eine Kiste gesteckt, aus der sie herauslugen wie einstmals die Kasperlefigur aus der Trickkiste. An Litfasssäulen entdeckt man Plakate, erstmals veröffentlichte Fotos, Dokumente, Texte, vieles mehr. Dazu gibt’s ein Kellerkino, das dem „amtierenden“ Kabarettheroen Erwin Grosche gewidmet ist, dem poetischsten und skurrilsten Kleinkünstler Deutschlands. Hier ist ein Film von, mit und über Grosche zu sehen, der eigens für die Ausstellung entstand. Komplettiert wird das Ensemble durch Bühnenrequisiten, Tonträger, Bücher und einen Abreißkalender, an dem sich jeder Besucher einen Kalendertext seines Favoriten mit nach Hause nehmen kann. Zwei Mediensäulen sind prall gefüllt mit weiteren Fotos, Informationen, Ton- und Bildzeugnissen.

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Kabarettheroen aus Westfalen (v.l.): Peter Hille, Joseph Plaut, Fred Endrikat, Peter Paul Althaus, Jürgen von Manger und Erwin Grosche, gezeichnet von Robert Nippoldt


Den Bühnengöttern von damals scheint das bunte Durcheinander zu gefallen. Man gewinnt den Eindruck, als warte die gutgelaunte Combo nur darauf, gleich die Bühne zu entern und selbst noch einmal los zu legen. Dass die Herren gut hundert Jahre Kabarett-Geschichte auf dem Buckel haben, sieht man ihnen nicht an, so unternehmungslustig schauen sie drein. Sie beweisen: Das Genre Kabarett ist ewig jung und quicklebendig. Es lebt vom Zauber der Bühne, der Improvisation, der Phantasie, der Magie der Sprache, mit der sich seit ewigen Zeiten viel anstellen lässt. Die westfälischen Kabarettheroen Peter Hille, Joseph Plaut, Fred Endrikat, Peter Paul Althaus, Jürgen von Manger und Erwin Grosche tun’s auf ihre Weise – witzig, aberwitzig, schräg, virtuos-verspielt.

Die Literaturgeschichte hat das Thema Kabarett oft sträflich vernachlässigt. Zweifellos ein Versäumnis. Die Texte, die in der Ausstellung zu lesen sind, beweisen es auf doppelte Art und Weise: Sie haben evident mit Literatur zu tun und sie sind bis heute aktuell geblieben, zünden noch immer. Kleinkunst präsentiert sich einmal mehr ganz groß.

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