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Wolfgang Delseit: »Eine Stadt mit tausend Gesichtern«

Paul Schallück und Köln

1. Biografischer Abriß

Paul Schallück, geb. am 17. Juni 1922, verlebte die ersten 13 Jahre seines Lebens in seinem Geburtsort Warendorf (Westfalen/Münster). Anschließend besucht er für fünf Jahre Klosterschulen in Boppard und Hiltrup, in der Absicht, Missionar zu werden. 18-jährig kehrt er nach Warendorf zurück, um die dortige Oberschule für Jungen (»Laurentianum«) abzuschließen.

Es folgten seine Einberufung als Soldat der Luftwaffe (Funker), die Kriegsteilnahme (1942: Gefreiter der Luftwaffe; 1943: Obergefreiter), eine schwere, ihn zeit seines Lebens behindernde Verwundung (1944) und die französische Kriegsgefangenschaft bis zum 31. Dezember 1945.

Am 8. Januar 1946 meldete er sich wieder in Warendorf an. Im selben Jahr begann er in Münster das Studium der Germanistik und Philosophie, wechselte aber bereits zum Wintersemester 1947/48 an die Universität Köln, um dort zusätzlich bei Carl Niessen Theaterwissenschaft zu studieren.

1949/50 gab er seine Dissertationspläne auf und arbeitete als Theater- und Kunstkritiker u. a. für das »Neue Tageblatt« und die »Münstersche Zeitung«.


1952 heiratete er die Buchhändlerin Ilse Nelsen aus Köln in der Kirche St. Germain des Prés in Paris. Ab 1952 veröffentliche Schallück in den von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit e. V. hg. Zeitschriften »Documents« und »Dokumente« und nimmt an den von dieser Gesellschaft veranstalteten deutsch-französischen Schriftstellertreffen teil.

1952 nahm er erstmals an einem Treffen der »Gruppe 47« (in den Jahren 1952 bis 1964 gehörte Schallück zu den ständigen Teilnehmern der Tagungen, bis er sich ab Mitte der 60er Jahre etwas zurückzog).


1958 gehörte er neben seinem Freund Heinrich Böll zu den Mitbegründern der Kölnischen »Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V.« und beteiligte sich aktiv an der Aktion »Kampf dem Atomtod« sowie den Ostermärschen.


1959 gehörte er zu den Mitbegründern der »Germania Judaica. Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums« und Mitglied des Vorstandes. Während des Jahreswechsels 1961/62 unternahm er eine erste Israelreise (27.12.1961-9.1.1962), die ihren Niederschlag in den »Israel-Gedichten« fand.


1969 beteiligte er sich an einer Wählerinitiative für die SPD im Bundestagswahlkampf. Er hielt Reden auf dem Neumarkt und bei SPD-Veranstaltungen.


1970 zeichnete er sich für die Rede von Bundeskanzler Willy Brandt auf dem ersten Kongreß des Verbandes Deutscher Schriftsteller in Stuttgart verantwortlich.


Von 1971 bis 1976 leitete er als Chefredakteur die Zeitschrift »Dokumente. Hg. v. der Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit«.

Am 29.2.1976 starb Schallück infolge von Bronchial-Krebs in seiner Wahlheimat Köln. Eine am Justizzentrum Köln nach ihm benannte Straße erinnert heute noch an ihn.


Schallück stand dem »Grünwalder Kreis« nah, war Mitglied des PEN-Clubs Deutschland, der »Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung«, Darmstadt (seit 1969) und im »Verband Deutscher Schriftsteller« (seit 1970). Er erhielt den »Preis der Zuckmayer-Stiftung« (1952), den »Annette von Droste-Hülshoff-Preis« für westfälische Literatur (1955, gemeinsam mit Walter Vollmer), den »Literaturpreis der Stadt Hagen« (gemeinsam mit Ernst Meister, 1962) und den renommierten, mit 10.000 DM dotierten »Nelly-Sachs-Preis« der Stadt Dortmund (1973).


Der Nachlass Paul Schallücks wurde nach dem Tod seiner Frau Ilse Schallück (1926-1978) zusammen mit seiner Bibliothek an die Stadt Köln gegeben und im März 1978 in das »Historische Archiv der Stadt Köln« gebracht. Er umfasst 26 Stehordner (14 mit Manuskripten, 16 mit Korrespondenz), einen Karteikasten sowie 9 Kartons ungeordnetes Material, darunter auch persönliche Papiere von Ilse Schallück und frühe Korrespondenz des Vaters Heinrich Schallück.


2. Köln in Leben und Werk Schallücks

»In seinem Werk enthalten ist eine große Zuneigung zu Köln, dieser, andeutungsweise sei es gesagt, dieser merkwürdigen Stadt, in die sich Paul Schallück immer wieder vertiefte als Zeitgenosse, Erzähler, Essayist, in Hörbildern, in Gesprächen und Diskussionen. [...] Eines ist sicher: die Stadt Köln ist Paul Schallück einiges schuldig«.


Heinrich Böll: Nachruf


Als Schallück 1947 nach Köln kam, um an der seit Dezember 1945 wieder eröffneten Universität sein Studium fortzusetzen, fand er eine Stadt in Trümmern vor, die sich nur langsam von den Kriegswirren erholte. Die Domstadt befand sich in einer katastrophalen Lage: 262 Luftangriffe alliierter Bomber waren seit Anfang der 40er Jahre über Köln geflogen worden (davon 50 sog. Großangriffe), bei denen über 20.000 Menschen umkamen und über 40.000 verletzt wurden; 76% der Stadt (90 % der Altstadt) waren zerstört; rund 32 Millionen m³ Schutt galt es, zu beseitigen – das Kulturleben innerhalb der britischen Besatzungszone lag ebenso in Trümmern wie die Stadt selbst.

In den Jahren bis zu seinem Tod wohnte Schallück in der Herrigergasse 7 in Köln-Müngersdorf, am Sülzgürtel 52 im Ortsteil Sülz und schließlich erneut in Müngersdorf in der Belvederestraße 89 – nur wenige hundert Meter von Heinrich Böll entfernt.


Nachdem sich Schallück entschieden hatte, seine Dissertationspläne über die Düsseldorfer Schauspielhausleiterein Louise Dumont aufzugeben und als Theater- und Kunstkritiker bei verschiedenen regionalen wie überregionalen Zeitungen zu arbeiteten, beteiligte er sich unmittelbar am Kulturleben der Nachkriegszeit. »So direkt, so ungeduldig und anklägerisch hat wohl kein Schriftsteller der Nachkriegsliteratur nach dem Verbleib der Wahrheit gefragt und nach den Schlußfolgerungen, zu denen sie zwingt.« (S. Lenz)

In den bekannten »Mittwochsgesprächen«, die der Buchhändler Gerhard Ludwig unter regem Publikumsinteresse im »Wartesaal 3. Klasse« im Kölner Hauptbahnhof durchführte, war Schallück vertreten. Gestalter und Betroffene aus der Politik, der bildenden Kunst, Musik und Literatur lieferten sich in diesen Treffen zum Teil heftige Diskussionen, die später auch auf Tonband aufgezeichnet wurden. Anläßlich der vom 2. bis 16. Dezember 1951 durchgeführten Reihe »Tag des Autors« las Schallück im »56. Mittwochsgespräch« am 10. Dezember aus dem Roman »Wenn man aufhören könnte zu lügen« und wurde als »erfreuliche Entdeckung« gefeiert. Der gewandte und wortreiche Kritiker Rudolf Krämer-Badoni führte durch den Abend. Nur zwei Abende später stand der junge Böll Rede und Antwort. Beide gemeinsam gestalteten dann am 23. Juli 1952 das »90. Mittwochsgespräch« unter dem Titel »Warum Trümmerliteratur?«


Böll und Schallück verkörperten eine neue Schriftstellergeneration und vermittelten eine unschöne Sicht auf eine nüchterne, aber nicht hoffnungslose Gegenwart. »Wenn man aufhören könnte zu lügen« und »Und sagte kein einziges Wort« waren erfolgreiche Romane, in denen moralische Werte in einer zerrütteten und erst langsam wieder Fuß fassenden Gesellschaft diskutiert wurden. Ihre Romane zielten deutlich und treffend auf zentrale Zeitprobleme. »Schallück [...] tendierte als konventionell realistischer Erzähler stärker als Heinrich Böll zur Reflexion.« (Kindlers) Von der konservativen Kritik abwertend als »Trümmerliteratur« bezeichnet, standen Schallück und Böll selbstbewußt hinter diesem Zertifikat, machten es sich sogar zu eigen: Homer

»erzählt vom Trojanischen Krieg, von der Zerstörung Trojas, von der Heimkehr des Odysseus. Kriegs-, Heimkehr-, Trümmerliteratur: Wir haben keinen Grund, uns dieser Bezeichnungen zu schämen.«


Als Bürgermeister Ernst Schwering 1951 den 1949 bei Middelhauve erschienenen Roman »Der Zug war pünktlich« als »geschmacklos« und »lasterhafte Selbstenthüllung« charakterisierte, bezog Schallück Position für Böll.


Ganz gezielt lenkten beide Autoren den Schwerpunkt ihrer Werke zu diesem Zeitpunkt auf die Darstellung der unmittelbaren Gegenwart. Obwohl unter »Schöngeistige Literatur« eingeordnet, waren ihre Werke weniger vom Ästhetischen als von moralischen Ansprüchen bestimmt. Sie wollten auf ihre Leser wirken, sie aufrütteln, überzeugen. Bölls Bekenntnis zur »Trümmerliteratur« (1952) gilt daher auch für Paul Schallück und seine Schriften:


»Es ist unsere Aufgabe, daran zu erinnern, daß der Mensch nicht nur existiert, um verwaltet zu werden – und daß die Zerstörungen in unserer Welt nicht nur äußerer Art sind und nicht so geringfügiger Natur, daß man sich anmaßen kann, sie in wenigen Jahren zu heilen.«


Privat kannten sich beide spätestens seit 1950, als sie zusammen mit Hans Bender und dem jungen Josef Reding eine Rundfunksendung gestalteten. Böll brachte Schallück auch mit dem Verleger Friedrich Middelhauve aus Opladen zusammen, in dessen Verlag 1951 Schallücks erstes Roman »Wenn man aufhören könnte zu lügen« erschien. Böll war manchmal so etwas wie Schallücks »Über-Bruder«; er war der erfolgreichere von beiden und der, der im literarischen Gedächtnis erhalten geblieben ist – auch weil er bei all seinem politischen Engagement seiner literarischen Linie treu geblieben ist, nämlich den Finger auf die gesellschaftlichen Wunden seiner jeweiligen Zeit zu legen. Im »Bann von ›Dr. Murke‹ und ›Ansichten eines Clowns‹ [blieb Schallück] doch nur der jüngere und schwächere Adoptivbruder.«


Unabhängig von seiner Freundschaft zu Böll, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft in Müngersdorf Schallück zeitweise wohnte, hatte Köln als Produktions- und Wirkungsstätte für Schallück eine weitere wichtige Bedeutung: Köln war bereits zu Anfang / Mitte der 50er Jahre eine aufsteigende Medienstadt. Seit 1945 sandte der »NWDR« sein Programm über den Äther. 1956 wurde aus dem NWDR der selbständige »WDR«. 1953 liess sich die »Deutsche Welle« in Köln nieder und 1960 folgte der »Deutschlandfunk«. Das Medium Radio brauchte Autoren und die Autoren brauchten den Rundfunk, nicht nur zu materiellen Absicherung. Sie sahen mehrheitlich die Möglichkeit, vor allem im Bereich des Hörspiels neue Wege zu beschreiten.


»Paul Schallück war einer der meistbeschäftigten Schriftsteller im NWDR/WDR, der beim Hörfunk und seit Mitte der 60er Jahre auch beim Fernsehen bis in die 70er Jahre hinein für den Sender arbeitete. Schallück fertigte für diverse Ressorts Beiträge an, auch für den Schulfunk, von denen eine Reihe anschließend in Zeitschriften oder Buchanthologien erschienen. Mindestens 164 Rundfunkarbeiten unterschiedlichster Genres, davon ungefähr knapp die Hälfte im NWDR/WDR erstgesendet, sind nachweisbar. Es dürften aber noch etliche mehr sein. Bei diesem Autor ist vor allem seine umfassende Genreleistung und die Tatsache seiner äußerst intensiven Funkarbeit beim WDR von literaturhistorischer Bedeutung.« (Scheffler)


Die meisten Rundfunkbeiträge lieferte er seit Mitte der 50er Jahre. Schallück ließ sich – oftmals auch gegen die Publikumserwartungen – nicht davon abbringen, Themen der NS-Geschichte zu behandeln. In seinen Beiträgen erweist er sich als politisch engagierter Rundfunkpublizist. Mag es nun seine Besprechung des französischen Dokumentarfilms »Nacht und Nebel« vom 24. Mai 1956 gewesen sein oder sein Beitrag »Nächtliche Gespräche« (1961), in der er Meinungen von Eltern und Kindern über Juden collagierte.«


Die Jahre von 1965 bis 1976 sind vor allem durch Schallücks politisches Engagement geprägt. Was spätestens im lokalen Bereich Kölns mit der Gründung der »Germania Judaica. Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums«, und der »Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e. V.« begann, führte ihn zwangsläufig in das bundespolitische Engagement zum Schutze von Minderheiten: Sein Wirken im sog. Grünwalder Kreis, der »Gruppe 47«, im »Klub demokratischer Publizisten«, im PEN und die Herausgabe der Zeitschrift »Dokumente«, die sinnbildlich für die deutsch-französische Freundschaft nach 1945 stand, sind Ausdruck seines politischen Engagement. Kaum ein politischer Aufruf, zu dessen Unterzeichnern Schallück nicht gehörte: Mit Böll, Walter Jens, Uwe Johnson, Peter Rühmkorf, Martin Walser und 15 weiteren zeitgenössischen Schriftstellern protestierte er 1960 gegen die »Deutschland-Fernseh-GmbH« (ZDF) und rief zum Boykott der Sendeanstalt auf. Für Schallück war Schreiben halt »immer zuerst und vor allem ein moralischer, ja politischer Akt«.


Am 12. September 1965 unterstützt Schallück Günter Grass auf einer seiner ersten Wahlkampfreisen für die SPD in Köln. Auf dem Neumarkt fand vor rund fünftausend Zuhörern eine Veranstaltung mit Schallück, Grass und Jürgen Wischnewski statt. Grass bemerkte dazu: »Bei meinen Wahlreisen begleiteten mich einmal Max von der Grün und Paul Schallück. Die waren im Gegensatz zu Böll bereit, mitzumachen.« –


Überhaupt Günter Grass: In einem Gespräch mit Heinrich Vormweg sagte er über Schallück:


»Ein hilfreicher Schriftstellerkollege war auch Paul Schallück. Auf meinem Weg nach Paris [...] unterbrach ich in Köln und besuchte ihn. Ich schwankte damals noch, ob ich nicht in Richtung Lyrik, Zeichen, in diesem Zwischenbereich und in erster Linie artistisch weiterarbeiten sollte. Aber dieses Prosavorhaben [i. e. Die Blechtrommel] lag schon skizziert vor, ich erzählte Schallück davon, und der sagte: Du mußt das schreiben, Dir muß der Knopf aufgehen. Du brauchst – er kannte mich von Lesungen her – bei soviel instinktsicherem Gefühl für die Form sperrige Inhalte, die alles, was Du kannst, was Du auf Anhieb kannst, infragestellen.« –


1969 trifft Schallück erneut mit Grass zusammen: Grass‘ Rede von »Freiheit – Ein Wort wie Löffelstil« leitete die »Woche der Brüderlichkeit« ein. Die Rede ist zusammen mit Schallücks Rede »Gegen Gewalt und Unmenschlichkeit« als »Heft 13« in der »Schriftenreihe der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit« erschienen.


Zu den vielleicht wichtigsten Aktionen Schallücks in Köln gehört sicherlich die Mitbegründung der »Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit« und der »Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums«. Schallücks vielfältiges Engagement für die christlich-jüdische, insbesondere die deutsch-jüdische Verständigung, resultierte aus der Überzeugung, dass eine dauerhafte friedliche Koexistenz der Menschen, Völker und Religionen nur durch einen lebendigen Dialog erreicht werden konnte. Diese Haltung ging auf die Lehre, des von ihm sehr verehrten Martin Bubers (1878-1965) zurück, einem der wichtigsten jüdischen Philosophen und Theologen des 20. Jahrhunderts. Schallück hat in vielfachen Bemühungen einen bemerkenswerten Beitrag zur Aufarbeitung der Judenverfolgung in Deutschland geleistet. Ihn kann man nicht zu denen zählen, die eine »zweite Schuld« – »die Verdrängung und Verleugnung der ersten nach 1945« – auf sich luden.

Dabei ging es ihm nicht allein um die sog. Vergangenheitsbewältigung: Sein Blick war auch nach vorne gerichtet. Er trat – trotz der Ungeheuerlichkeit der Verbrechen – für ein zukünftiges Zusammenleben von Christen und Juden in Deutschland ein.


Die »Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit«, heute die größte Christlich-Jüdische Gesellschaft in der Bundesrepublik, wurde am 30. März 1958 mit den Zielen Antisemitismus und Intoleranz zu bekämpfen, das wechselseitige Verständnis der jüdischen und christlichen Gemeinschaft zu fördern und den christlich-jüdischen Dialog zu vertiefen, gegründet. Die Geschichte der christlich-jüdischen Zusammenarbeit reicht bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück: Die 1928 in die USA gegründete »National Conference of Christians an Jews« wurde zum Vorbild für die Christlich-Jüdischen Gesellschaft, die nach 1945 in Deutschland, u. a. in München, Stuttgart, Berlin und Frankfurt gegründet wurden. Zu den zahlreichen Veranstaltungen, die Schallück mit und für die »Gesellschaft« durchführte gehörte auch die Teilnahme an der im Frühjahr 1968 veranstalteten Podiumsdiskussion unter dem Titel »Zivilcourage – gestern – heute – morgen« im Rahmen der Kölner »Woche der Brüderlichkeit«. Neben Schallück traten Hermann Kesten, Günther Weissenborn, Robert Junck und Peter Handke auf.


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