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Jochen Grywatsch (Hg.): Aribert von Ostrowski: Droste (Second sight)

Rezensiert von Cornelia Ilbrig

Ostrowski2.jpg

Ausstellungsansicht Südwand
Droste (Second sight) / Die Krähen, 2006

Droste (Second sight) / MexicoAvO, 2006

Droste (Second sight) / Ruhe an der Grenze, 2006

Zeichnungssatz o.T. (27. und 28.10.05) mantis religiosa C 1-22, 2005

Siehe Ausstellungskatalog, S. 31

Die Wunderkammer als entomologische Universalbibliothek
– ein kryptischer Titel. Als insektenkundliche Bücherei bezeichnet Grywatsch in seinem Katalogtext Aribert von Ostrowskis Ausstellungsprojekt Droste (Second sight). Das Wort “Wunderkammer” verspricht Neues und Überraschendes; aber inwiefern sich Insektenkunde mit der “Universalbibliothek” (etwa derjenigen Reclams?) verbinden lässt, bleibt zunächst einmal rätselhaft. Unschwer ist wohl zu erkennen, dass es um Annette von Droste-Hülshoff geht – womit aber der Fragen und Wunder nicht weniger werden. Der Künstler Ostrowski befasst sich mit der Dichterin, doch stellen seine Zeichnungen nicht Porträts oder Illustrationen dar, sondern eher künstlerische Reflexionen über Droste-Texte. Die darin enthaltene existentielle Problematik wie Identitätskonzept, Melancholie, Sinn- und Wahrheitssuche setzt Ostrowski in seinen Zeichnungen mit unterschiedlichen Motiven um. Jochen Grywatsch, Organisator der Ausstellung, präsentiert und kommentiert die Bilder in seinem Katalog.


Der Katalog zu dieser “Wunderkammer” enthält eine umfassende Einführung vom Herausgeber Jochen Grywatsch (S. 7-28), verschiedene Ausstellungsansichten (S. 29-37) und sechs Droste-Gedichte (S. 38-43), die bei der Ausstellungseröffnung von Sabine Negulescu rezitiert wurden. Negulescus Auftritt ist neben “Drei Stücken für Kontrabass allein nach Originalkompositionen der Droste” von Bernd von Ostrowski auch auf der dem Katalog beiliegenden CD zu hören. Weiterhin sind Zeichnungen der mantis religiosa (S. 44-57) zu sehen, der Gottesanbeterin, die auch Eingang in die Titelgebung des einführenden Essays von Grywatsch fand.


Grywatsch erläutert Ostrowskis Bilder in elf Kapiteln. Sein Ausgangspunkt ist eine Serie von neun Bildern zu Annette von Droste-Hülshoff. Zunächst geht „vom ersten Blick“ aus und führt so den Betrachter an rätselhafte Motive heran. Er macht ihn auf Besonderheiten wie die “künstlerische Bezugnahme” (S. 7) Ostrowskis auf die Droste durch die Kürzel AvO und AvDH aufmerksam sowie auf die Farbe Lila, in der die Zeichnungen dieser Serie gehalten sind. Als Aspekte von Lila, Aspekte, die auch für weitere Bilder von Ostrowski prägend sind, nennt Grywatsch das Mystische, Melancholie, Ambiguität; er kennzeichnet Lila als Grenz- und Mischfarbe: “Der Fokus richtet sich also auf eine Grenze, auf die Grenze zum Unsichtbaren, die auch eine Grenze zum Nicht-Sagbaren ist, und damit zum Unbewussten und zur menschlichen Psyche.” (S. 7) Als wichtige Formen und Motive nennt Grywatsch Dreiecksformen, Linienknäuel, eine ungestalte Figur und den Vogel. Letzterer steht für verschiedene Varianten des Seins, Perspektivenwechsel, Fremdes, Unbewusstes, Entgrenzung, aber auch Beschränkung und Verlust (S. 8f.).

AvO_Lila.jpg


o.T. (03.01.06), Nr. 6/9, aus Serie: AvDH 1/9-9/9, 2006

Siehe Ausstellungskatalog, S. 10

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