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Bernd Kortländer: Arno Schmidt und der Düsseldorfer Immermann-Preis

Zum 150. Geburtstag Heinrich Heines am 13. Dezember 1947 beschloß der Rat der Stadt Düsseldorf, die Tradition jährlich zu verleihender Kunstpreise wieder aufzunehmen, wozu Preise für Literatur, Musik und Bildende Kunst gehörten. Allerdings: nach Heinrich Heine wollte man den Literaturpreis nicht benennen - zu frisch waren wohl noch die Parolen der Nazi-Propaganda, zu nah war bereits der kalte Krieg, wo Heine frühzeitig vom kommunistischen Widerpart besetzt worden war. Düsseldorf stand mit solchen Vorbehalten sicher nicht allein im westlichen Deutschland. Es ist allerdings schon ein besonders absurdes Stück, was da aufgeführt wird, wenn ein ausdrücklich laut Ausschreibungstext am Heine-Geburtstag zu verleihender Literaturpreis nicht nach dem am Ort geborenen Autor benannt wird, sondern - nach Karl Immermann. Nun wäre Immermann noch nicht einmal eine schlechte Wahl, wenn es nicht bereits früher einen Immermann-Preis in Düsseldorf gegeben hätte. Dieser wurde 1935 von den NS-Kulturpolitikern ins Leben gerufen, war ausgeschrieben exklusiv für " deutsche arische Schriftsteller" und wurde zwischen 1937 und 1943 für völkische Meisterleistungen vergeben. An diesem kleinen Punkt zeigt sich schlagend die von Anfang an restaurative Tendenz des sich konstituierenden Kulturbetriebs in der BRD: Nicht ein wirklich sich aufdrängender Neuanfang mit Heine wurde gemacht, sondern der alte Nazi-Preis wurde wiederbelebt, statt Aufbruch gab es Kontinuität.

Auf die in der Presse veröffentlichte Ankündigung des Preises hin meldeten sich beim Kulturamt der Stadt zwar immerhin 193 Autoren mit der Bitte um Übersendung der Auschreibungsbedingungen, doch bewarben sich letztlich nur 32 Autoren mit Einsendung eines Textes. Es handelt sich dabei mit einer einzigen Ausnahme durchweg um heute nur mehr im regionalen oder lokalen Kontext bekannte Autoren, wie etwa Irma Buntzel aus Memmingen, Willi Schäferdiek aus Siegburg oder Adolf Uzarski aus Düsseldorf. Um so leuchtender hebt sich vor diesem Hintergrund völliger Obskurität der Bewerber mit der Zugangsnummer 68 ab: Arno Schmidt hatte am 17.2. 1948 von Cordingen aus mit einer handschriftlich abgefaßten Postkarte um Übersendung der Wettbewerbsbedingungen gebeten und diese als 68. erhalten. Am 11. April 1948 schreibt er dann, wieder aus Cordingen, folgenden Brief:

An den/ Herrn Oberstadtdirektor/ Amt 31 / Düsseldorf/ Rathaus
Sehr geehrter Herr!
Auf Grund der mir von Ihnen zugesandten Bestimmungen für den Immermann-Preis für Literatur der Stadt Düsseldorf erlaube ich mir, mich mit dem beiliegenden Manuskript um diesen Preis zu bewerben. - / Ich bitte Sie, mir durch die beigelegte freigemachte Antwortkarte den Empfang meines Manuskriptes zu bestätigen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr sehr ergebener: Arno Schmidt."

Diesem Schreiben lag, entsprechend den Wettbewerbsbedingungen, folgende "Eidesstattliche Versicherung" bei: "Ich versichere hiermit an Eides Statt, daß die beiliegende Erzählung 'Leviathan, oder die beste der Welten' von mir verfaßt und mein volles geistiges sowie rechtliches Eigentum ist. Arno Schmidt."
Auf dem Brief findet sich unten folgender Bearbeitungsvermerk: "Df 29.10. 48 / 1. Arbeiten am 29.10. zur. / 2. Z. Sammlung"

Dieser selben Sammlung, die sich glücklicherweise erhalten hat und die heute im Stadtarchiv Düsseldorf aufbewahrt wird, ist ferner zu entnehmen, daß der in Haan bei Düsseldorf lebende Schriftsteller Emil Barth von der Jury zunächst zur Bewerbung aufgefordert wurde und dann den Preis erhielt.