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Dietmar Damwerth: Das Archiv des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in Nordrhein-Westfalen

Umfangreiches Archiv mit Materialien zur Verbandsgeschichte


In der Geschäftsstelle des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in NRW in Münster befindet sich ein umfangreiches Archiv mit Materialien zur Verbandsgeschichte und zu nordrhein-westfälischen Autorinnen und Autoren. In absehbarer Zukunft wird dieses wichtige Archiv in die Bestände des Westfälischen Literaturarchivs (WLA) der Literaturkommission für Westfalen übergehen.

Die Vorläuferorganisation des heutigen Schriftstellerverbandes wurde 1946 als Rheinisch-Westfälischer Schriftsteller-Verband gegründet und nannte sich von 1948 bis 1969 Westdeutscher Autoren-Verband (WAV). Seit 1969, mit der Gründung des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) als Bundesverband, gehört der VS-NRW als Landesverband zu diesem Berufsverband. Die Initiative ging seinerzeit u. a. vom nordrhein-westfälischen Verband aus und erreichte ihr Ziel mit der Gründung 1969 in Köln mit der vielbeachteten Rede „Ende der Bescheidenheit“ von Heinrich Böll.

Quellen- und Archivmaterial, besonders von der Gründungsphase des Verbandes bis zur Mitte der 1950er Jahre ist zwar vorhanden, aber nur privat archiviert. Das liegt zum einen in der seinerzeit unsystematischen Archivierung der Bestände und dem fehlenden Archivierungsbewusstsein auf Verbandsebene begründet, da Korrespondenzen etc. nurmehr in privaten Archiven gesammelt wurden. Zum anderen sind amtliche, staatliche Überlieferungen kaum vorhanden bzw. sehr verstreut zugänglich. Beispielsweise sind die Bestände der britischen Militärbehörden als Genehmigungsbehörde der Verbandsgründung durch Kassation und Verlust nur noch zu ca. 1% des ursprünglichen Bestandsvolumens im Public Record Office in Kew (London) vorhanden. Materialien über den Schriftstellerverband sind nicht überliefert. Ebenso sind auf staatlicher Ebene in Deutschland Aktenbestände vom bzw. über den WAV nicht oder –wenn überhaupt– dann nur sehr spärlich und verstreut überliefert.

Das teilweise noch unsystematisierte Verbandsarchiv wird momentan vom Geschäftsführer im Rahmen einer Forschungsarbeit zur Verbandsgeschichte nach archivarischen und wissenschaftlichen Kriterien inventarisiert und ausgewertet.´

Die zur Verfügung stehenden Materialien gliedern sich dabei in zwei Hauptbereiche: Durch eine jahrzehntelange enge Verknüpfung mit dem persönlichen Archiv und Nachlass des langjährigen Geschäftsführers des Verbandes, des Schriftstellers Wilhelm Damwerth, sind viele VS-relevante Materialien in dessen Nachlass zu finden. Für die Gründungszeit ist ausschließlich auf diese Aktenbestände, die in seiner Funktion als ordentliches Verbandsmitglied gesammelt wurden, zurückzugreifen.

Erst ab den 1960er Jahren, mit der Übernahme der Geschäftsführung durch Wilhelm Damwerth ist eine systematischere Archivierung der Verbandsmaterialien geschehen.

Zum VS-Archiv im eigentlichen, engeren Sinne gehören:


1. Verbandsrundschreiben (ab 1960 fortlaufend)
2. Protokolle Vorstandssitzungen (ab 1960 fortlaufend)
3. Unterlagen Jahrestagungen (ab 1956 fortlaufend)
4. Aufnahmeanträge (ca. 2000 Autoren ab 1960)
5. Mitglieder-Korrespondenz

Die Korrespondenz umfasst die Jahre 1956 – 2006

Enthalten sind sowohl Korrespondenzen des Verbandsvorstandes als auch Briefe und Anfragen von Mitgliedern an die Geschäftsstelle.

Weitere VS-Materialien sind unter Umständen kassiert worden; befinden sich aber auch in den persönlichen Nachlässen und Privatarchiven ehemaliger Vorstandsmitglieder und sind daher teilweise nicht mehr zugänglich.

Zu den Archiv-Materialien (auch die Gründung des Bundes-VS betreffend) vgl. eine Zusammenstellung unter: www.autorenland.de/VS-NRW/VS-Archiv.


Neben den erwähnten, die Gründungsjahre 1946 – 1950 betreffenden Materialien im Nachlass von Wilhelm Damwerth sind sämtliche Verbandsrundschreiben, Vorstandsprotokolle und Unterlagen zu den jährlichen Literaturtagen, Mitgliederversammlungen seit 1956 (Beginn der Amtszeit des Geschäftsführers Wilhelm Damwerth) nahezu lückenlos erhalten.
Die vorhandene Mitgliederkorrespondenz (ca. 50 Aktenordner) dokumentiert über das offizielle Verbandsgeschehen hinaus das literarische Leben und die berufliche Situation der Autorinnen und Autoren in Nordrhein-Westfalen der vergangenen 50 Jahre.

Somit ist das Archiv ein Füllhorn von Themen und Materialien, Informationen und Hintergründen zu Leben und Werk manchen Autors, zum literarischen Betrieb generell und somit eine bedeutende literaturgeschichtliche Quelle und Institution, deren Auswertung interessante neue Aspekte für die regionale Literaturgeschichtsforschung bieten kann.

Um einen kleinen Überblick zu geben, sind im Anhang die Namen einiger Autorinnen und Autoren angegeben, die im VS-Archiv (teils auch im Privatnachlass Wilhelm Damwerth) vertreten sind.


Kontakt:
VS-NRW Geschäftsführer
Dietmar Damwerth
Wilmergasse 12-13
48143 Münster
Tel.: 0251/46877
E-Mail: damwerth@vs-nrw.de


Auswahl Mitgliederkorrespondenz VS-Archiv

Aulke, Anton
Bardey, Emil
Becker-Trier, Heinz
Beielstein, Felix W.
Berens-Totenohl, Josefa
Bockemühl, Erich
Böll, Heinrich
Denneborg, Heinrich Maria
Drewitz, Ingeborg
Domin, Hilde
Elster, Hans Martin
Gluchowski, Bruno
von der Grün, Max
Heinen, Werner
Herbermann, Nanda
Hüser, Fritz:
Ingermann, Bruno
Ippers, Josef
Lattmann,Dieter
Knodt, Josef
Kohlenberg, Karl F.
Meister, Ernst
Paetow, Karl
Pohl, Gerhard
Polte, Paul
Simmel, Joh. M
Spoerl, Alexander
Sylvanus, Erwin
Schäferdiek, Willy
Schallück, Paul
Schlinkert, Martha
Schmidtbonn, Wilhelm
Schröder, Rudolf
Steguweit, Heinz
Struck, Karin
Weissenborn, Theodor
Wellershoff, Dieter
Winckler, Josef
Zwerenz, Gerhard