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arz: Eremitenpresse geht im Heine-Institut vor Anker

Wertvolle Einblicke in das literarische Leben der Bundesrepublik von ihren Anfängen bis heute

Das Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf hat das
Verlagsarchiv der kleinen, aber bedeutenden Düsseldorfer Edition Eremitenpresse übernommen. Bereits im Herbst 2012 wurden die Bücher –
also das nahezu vollständige Verlagsprogramm mit rund 580 zumeist
bibliophilen Bänden – in die Sammlungen des Hauses integriert. Dieser
kostbare Bücherschatz ist inzwischen verzeichnet und über d:kult, die
gemeinsame Datenbank der Düsseldorfer Kulturinstitute, recherchierbar.
In einem weiteren Übernahmeschritt sind nun auch die Geschäftspapiere
und die Korrespondenzen der Eremitenpresse ins Heine-Institut
gelangt.

Der Verlag Eremitenpresse wurde 1949 vom legendären Handpressen-
Verleger V.O. Stomps in Stierstadt/Taunus gegründet. 1967 übernahmen
Dieter Hülsmanns und Friedolin Reske den Verlag, der 1972 nach Düsseldorf
übersiedelte. Nach dem Tod Dieter Hülsmanns wurde Jens Olsson
1983 Mitinhaber des Verlags. Er und Reske führten den Verlag bis
2010, dann stellte die Eremitenpresse mit dem Erscheinen des 602. Titels
die Buchproduktion ein. Der Vertrieb der Backlist geht hingegen weiter.

Die Eremitenpresse ist besonders für ihre bibliophilen Taschenbücher
bekannt. Berühmte Künstler wie Ulrich Erben, Günther Uecker und
HAP Grieshaber steuerten Illustrationen bei. Autoren der Eremitenpresse
sind unter anderem Martin Walser, Mascha Kaléko, Johannes
Brobowski, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Christoph Meckel,
Christa Reinig, Ernst Meister, Wolfgang Bächler, Gabriele Wohmann,
Thomas Kling und Ingrid Bachér.


Von diesen und vielen anderen Autoren finden sich im Verlagsarchiv der
Eremitenpresse zahlreiche Spuren. Die umfangreichen Korrespondenzen,
insgesamt mehrere tausend Briefe, reichen von den 40er-Jahren bis
in die heutige Zeit und dokumentieren nahezu lückenlos die Verlagsaktivitäten
in diesen 70 Jahren. Außerdem enthält der Bestand rund 50 Ordner
mit Manuskripten, Presseveröffentlichungen, Verlagspapieren und
Druckbögen. Ein Höhepunkt ist das Gästebuch der Eremitenpresse, in
dem sich zahlreiche Künstler und Schriftsteller verewigt haben – nicht
nur mit literarischen Miniaturen, sondern auch mit Zeichnungen und
Collagen.


Die Materialien der Eremitenpresse lassen das literarische Leben der
Bundesrepublik von ihren Anfängen bis heute Revue passieren. Und weil
Düsseldorf jahrzehntelang Geschäftssitz der Eremitenpresse war, liegt ein
besonderer Schwerpunkt auch auf dem hiesigen Literaturkontext.

Anhand dieses Bestandes kann man wertvolle Hintergrundinformationen
über den deutschen und Düsseldorfer Literaturbetrieb und die Personen,
die in ihm wirken und wirkten, gewinnen. Das Verlagsarchiv der
Eremitenpresse passt damit hervorragend zum Sammelprofil des Rheinischen
Literaturarchivs im Heinrich-Heine-Institut, das die Rekonstruktion
des literarischen Lebens im Rheinland mit dem Schwerpunkt
Düsseldorf zur Aufgabe hat. Der Bestand der Eremitenpresse konnte mit
großzügiger Unterstützung des Landes NRW erworben werden.