Sonderausstellung > Archivtagung in Brauweiler > Beitrag
Weitere Beiträge
  • Sabine Brenner-Wilczek: Tagungsbericht

    Archivtagung Brauweiler
    [07.06.2017]
  • Bernd Kortl├Ąnder: ├ťberblick ├╝ber die kulturelle ├ťberlieferung in NRW

    Vorlage f├╝r die Arbeitstagung in Brauweiler am 14.4. 2005
    [17.05.2017]
  • Bernd Kortl├Ąnder: Die Bedeutung von Nachl├Ąssen f├╝r die kulturhistorische Forschung

    Einige Grundlagen
    [17.05.2017]
  • Enno Stahl: Projektberichte - Nachlassportal, E-Zine, Literarisches Leben am Rhein

    Beispiele aus der Praxis
    [17.05.2017]
  • Eberhard Illner (K├Âln): Sammlung und private Archive - eine Aufgabe f├╝r kommunale Archive?

    Vortrag zum Thema Archive und kulturelle ├ťberlieferungen
    [17.05.2017]
Backlist
Alle bisherigen Beiträge finden Sie in unserer Backlist.

Zu den Netz-Datenbanken von RLA und WLA

Bernd Kortl├Ąnder: Literaturpreise in den Akten kommunaler und staatlicher Archive

Beispiele aus der Praxis

Literaturpreise haben f├╝r die Literaturforschung eine gewisse Bedeutung als Indikatoren sozialer Geschmacksnormen im Feld der Literatur. Sie k├Ânnen dar├╝ber hinaus Auskunft geben ├╝ber das Verh├Ąltnis von Literaturbetrieb und gesellschaftlichen Str├Âmungen. Im genuin literarischen Bereich, also etwa bei der Qualit├Ątsfrage, sind sie kaum aussagekr├Ąftig. Ein Forscher, der sich f├╝r Literaturpreise interessiert, bringt also eher soziologische Fragestellungen mit in seine Archivarbeit. Denn da├č gerade solche nur sehr oberfl├Ąchlich aus gedruckten Quellen rekonstruierbaren Zusammenh├Ąnge wie die Verleihung von Literaturpreisen mit ihr vielf├Ąltigen Dynamik und komplizierten Ritualen nur ├╝ber Arbeit im Archiv zu leisten ist, leuchtet bei einigem Nachdenken unmittelbar ein.

Ich habe diese Arbeit im Zusammenhang mit dem Immermann-Preis der Stadt D├╝sseldorf, der von 1936 bis 1967 vergeben wurde, und dem Gro├čen Kunstpreis des Landes NRW, Abteilung Literatur, der von 1953 bis 1968 existierte, einmal durchexerziert. Die Ergebnisse sind gedruckt nachzulesen.
Was ich an diesem Beispiel gelernt habe, ist die notwendige Verzahnung von staatlicher ├ťberlieferung und Nachla├č├╝berlieferung.

Die Akten zum Immermann-Preis der Stadt D├╝sseldorf sind im Stadtarchiv D├╝sseldorf sehr vollst├Ąndig ├╝berliefert. Sie erlauben einen ├ťberblick ├╝ber die Bewerber - der Preis war ├Âffentlich zur Bewerbung ausgeschrieben, auch wenn nie ein Kandidat ihn erhalten hat, der nicht vorher abgesprochen war. Dabei sind die Kandidaten, die den Preis nicht erhielten, oft ebenso interessant wie die, die ihn bekamen. Sie erlauben weiter einen Einblick in das Treiben der Jury, die Aufteilung der Aufgaben, die je nach Bekanntheitsgrad unterschiedliche Bezahlung und andere pikante Details.

Dasselbe gilt f├╝r den Gro├čen Kunstpreis NRW, der im Hauptstaatsarchiv in D├╝sseldorf dokumentiert ist.

In beiden F├Ąllen war der erste Preistr├Ąger nach dem Krieg - 1948 und 1953 - der Dichter Emil Barth aus D├╝sseldorf, dessen Nachla├č sich im Rheinischen Literaturarchiv befindet. Dieser Nachla├č erg├Ąnzt die beiden staatlichen ├ťberlieferung hervorragend und umfassend. Erst die Briefe, die er mit wichtigen Entscheidungstr├Ągern im Umkreis der Preise f├╝hrte, l├Ą├čt den wahren Hintergrund seiner Nominierung erkennen: Der einflu├čreiche CDU-Politiker und D├╝sseldorfer Rechtsanwalt wollte Barth, der ein typischer Vertreter der sogenannten inneren Emigration gewesen war und nach 1945 seinen dezidiert unpolitischen Begriff von Literatur weiter verfocht, zum literarischen Repr├Ąsentanten von NRW machen, der das Land in den verschiedenen Akademien und auch im PEN vertreten sollte. Zu diesem Zweck mu├čte er zun├Ąchst mit einigen Preisen gewisserma├čen nobilitiert werden. Das Problem war dann allerdings, da├č Barth sich f├╝r repr├Ąsentative Aufgaben nicht eignete, au├čerdem recht bald schwer erkrankte und bereits 1958 starb.