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Bernd Kortl√§nder: √úberblick √ľber die kulturelle √úberlieferung in NRW

Vorlage f√ľr die Arbeitstagung in Brauweiler am 14.4. 2005

I.
Wenn im Titel meines kleinen Referats von ‚Äúkultureller √úberlieferung‚ÄĚ die Rede ist, so ist dieser Terminus erl√§uterungsbed√ľrftig. Zum einen hat alle archivische √úberlieferung mit Kultur im weiteren Sinne zu tun, insofern unter Kultur - als Gegensatz von Natur - die Hervorbringungen des menschlichen Geistes insgesamt verstanden werden. So weit ist dieser Begriff hier aber offenbar nicht gefa√üt. Gemeint ist zun√§chst der engere Begriff von Kultur, jener Begriff, der mit ‚ÄúKunst‚ÄĚ zu tun hat: kulturelle √úberlieferung in diesem Sinne meint dann Archivgut, das direkt oder indirekt mit der Produktion von K√ľnstlern zusammenh√§ngt, mit Malern, Musikern und Schriftstellern vor allem, aber auch mit Architekten, Fotographen, T√§nzern, Schauspielern etc.

Neben dieser - sehr groben - inhaltlichen Bestimmung signalisiert der Terminus ‚Äúkulturelle √úberlieferung‚ÄĚ in der √úberschrift aber noch etwas anderes, eine Andersartigkeit, einen systematischen Unterschied des betreffenden Material, und das ist in diesem Zusammenhang seine wirkliche Botschaft. ‚ÄúKulturelle √úberlieferung‚ÄĚ unterscheidet sich von dem, was man unter ‚Äústaatlicher √úberlieferung‚ÄĚ fassen kann, sowohl in Hinsicht auf sein Erscheinungsbild wie auch auf Verfassung und Geschichte der Einrichtungen, die sie aufbewahren.
Der augenfälligste Unterschied im Erscheinungsbild ist zunächst, daß in Kulturarchiven Personen und nicht Akten- sprich: Handlungs- oder Sachzusammenhänge den Inhalt des Archivs gliedern. Es sind die Akteure der Kultur, an denen sich die Sammlungs- und Ordnungsprinzipien der Kulturarchive orientieren.

Im Idealfall hinterlassen sie komplette Nachl√§sse, worunter man √ľblicherweise - ich zitiere aus der entsprechenden Richtlinie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ‚Äúdie Summe aller Manuskripte und Arbeitspapiere, Korrespondenzen, Lebensdokumente und Sammlungen, die sich bei einem Nachlasser zusammengefunden haben‚Äú, versteht. Entsprechend der Zentrierung auf den Nachlasser herrscht in Kulturarchiven das alphabetische Ordnungssystems, w√§hrend in politischen Archiven √ľblicherweise das Provenienzprinzip regiert, also der von einer Registratur vorstrukturierte Sachzusammenhang der Akten nach der √úberlieferung. Dem alphabetischen Verfasserkatalog der Kulturarchive stehen die auf Aktenzusammenh√§nge bezogenen Findb√ľcher der Archive gegen√ľber.

Kulturarchive sind in diesem Punkt eher mit Bibliotheken als mit Archiven verwandt, wenngleich auch die historischen Archive zunehmend den besonderen Wert von Personen-Nachl√§ssen f√ľr die Forschung erkennen, und man inzwischen auch auf die Konstruktions- und Interpretationselemente des lange als gleichsam \'naturw√ľchsig\' angesehenen Provenienzprinzips aufmerksam geworden ist. Einer Ann√§herung beider Herangehensweisen besonders f√∂rderlich ist sicher der Druck, der durch die ins schier Unermessliche gestiegene Informationsflut entstanden ist: Jenes aus der Form des Nachlasses folgende Prinzip des Exemplarischen leitet eher zwangsl√§ufig auch immer st√§rker das archivarische Handeln im Blick auf die staatliche √úberlieferung.

Dennoch sind die Grenzen zwischen den Kulturarchiven und den klassischen Archiven ganz offensichtlich immer noch nicht wirklich gefallen. Besucht man etwa die offizielle Seite ‚ÄúArchive in NRW‚ÄĚ im WWW, so wird man erstaunt feststellen, da√ü die kulturelle √úberlieferung dort komplett ausgespart ist: Kein einziger Hinweis auf die gro√üen Sammelstellen kultureller √úberlieferung au√üerhalb der staatlichen Archive in unserem Bundesland findet sich. Da zeigt sich ein Ma√ü an Ignoranz, das allerdings nur mehr schwer ertr√§glich ist. Das Bundesarchiv hat jetzt immerhin auf seiner Seite die Rohdaten aus der 20 Jahre alten Erhebung von Wolfgang Mommsen als ‚ÄúZDN‚ÄĚ (Zentrale Datenbank Nachl√§sse) installiert, die wohl unter Mithilfe der Institutionen auf Stand gebracht werden sollen. Und die Linkliste der Marburger Archivschule enth√§lt auch nur sehr disparate Verweise auf 10 deutsche Literaturarchive. Die Sammlung solcher Links √ľberl√§√üt man den Fachdisziplinen wie der Literatur-, Kunst- oder Musikwissenschaft, so als ob die Akten eines Verlages, die Briefwechsel eines Komponisten, die Manuskripte eines Autors nur in diesen Spezialdisziplinen von Bedeutung w√§ren und nicht auch einen eminenten Quellenwert h√§tten und wichtige Hilfsmittel sein k√∂nnen beim richtigen Verst√§ndnis historischer Entwicklungen und gesellschaftlicher Ph√§nomene.


Dieses nun ganz und gar nicht mehr zeitgem√§√üe Schisma der Archive hat nat√ľrlich seine Geschichte und erkl√§rt sich z.T. aus der Vorgeschichte der Kulturarchive. Ihre Vorl√§ufer waren die Autographen-Sammlungen von Privatleuten, die ihre Sch√§tze in einer Mischung aus Verehrung eben f√ľr die Person des K√ľnstlers und aus historischem Interesse zusammentrugen. Sie entstanden in Deutschland in gr√∂√üerem Umfang vor allem in der sammelw√ľtigen Zeit des Biedermeier, existierten aber auch bereits fr√ľher. Karl August Varnhagen von Ense war einer ihrer wichtigsten Exponenten im 19. Jahrhundert in Deutschland, dessen umfangreiche Sammlung sp√§ter in den Besitz der K√∂niglichen Bibliothek Berlin √ľberging. F√ľr das 20. Jahrhundert w√§ren etwa die Sammlungen von Stefan Zweig oder die der Verleger Bothmer in der Schweiz und Kippenberg in Deutschland zu nennen. Die Aura, der Reliquiencharakter, der einer Handschrift im Kontext privater Sammelleidenschaft immer anhaftet, ist auch beim √úbergang in die wissenschaftliche K√ľhle des Archivs nicht verschwunden. Das hat zu tun mit dem Mythos des Urspr√ľnglichen, des Sch√∂pferischen, dem man sich beim Betrachten der Handschriften ganz nahe w√§hnte.


Ganz wichtig f√ľr das heutige Erscheinungsbild unserer Kulturarchive wurde die Initiative des Germanisten Wilhelm Dilthey aus dem Jahre 1889. Damals hielt er vor der Berliner Gesellschaft f√ľr Literatur ein Pl√§doyer f√ľr Archive f√ľr Literatur, eine Art Gr√ľndungs- und Begr√ľndungsdokument f√ľr diese Form des Archivs in Deutschland. Auch er stellt bei dieser Begr√ľndung wieder ganz einseitig die Figur des Autors in den Mittelpunkt: ihm sollte die Aufmerksamkeit der Forschung gelten; war sein pers√∂nliches Geheimnis entr√§tselt, so galten auch seine Texte als verstanden. Dementsprechend sollten die Literaturforscher in den zuk√ľnftigen Archiven ‚Äědie Natur der Einbildungskraft, ihre Formen, die Regeln des Schaffens und die Entwicklung der Technik‚Äú des jeweiligen Autors studieren k√∂nnen. ‚ÄěDas erfordert den intimsten Einblick in das Leben des Dichters: er [der Forscher] mu√ü bei ihm in seiner Werkstatt sitzen.‚Äú Der Text soll gewisserma√üen bis in den Kopf des Autors als seinen Ursprung zur√ľckverfolgt werden, und kann damit dann als verstanden gelten. Erw√ľnschter Nebeneffekt dieses Ansatzes f√ľr Dilthey: die M√∂glichkeit, den Proze√ü des Sch√∂pferischen durch die empirische Untersuchung der Handschriften und ihrer Entstehungsumst√§nde scheinbar zu objektivieren, bringt die Literaturwissenschaft nahe an das Wissenschaftsideal der Naturwissenschaften heran, ein Ziel, das Dilthey, der Begr√ľnder der Geisteswissenschaften, stets angestrebt hat.


Diltheys Initiative zur Gr√ľndung der Literaturarchive konnte auch deshalb auf eine positive Resonanz hoffen, weil gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Germanistik das Zeitalter der Editionen auch der neueren Autoren begonnen hatte. Literaturwissenschaftler wie z.B. Karl Lachmann, Wilhelm Scherer oder Erich Schmidt wandten die Methoden der historischen Textkritik, die zuvor an den Autoren der klassischen Antike und des Mittelalters erprobt worden waren, jetzt auf die freilich ganz anders geartete √úberlieferung neuerer Autoren an. Es ist bezeichnend, da√ü die erste gro√üe Gr√ľndung eines literarischen Archivs im Zeichen eines solchen Editionsvorhabens erfolgte. Der Goethe-Nachla√ü war nach dem Tod des letzten Goethe-Enkels 1885 an die Gro√üherzogin Sophie von Weimar gekommen, die von Anfang an den Plan hatte, ihn in einem Archiv der Forschung zug√§nglich zu machen und so eine umfassende Edition von Goethes Werken zu erm√∂glichen. Als 1889 der Schiller-Nachla√ü ebenfalls der Gro√üherzogin √ľbergeben wurde, konnte das Archiv in Goethe und Schiller-Archiv umbenannt werden und zunehmend den Anspruch eines nationalen Literaturarchivs vertreten. In den Folgejahren rundete sich der Bestand durch die Nachl√§sse Herders und Wielands sowie weiterer Nachl√§sse und Sammlungen ab.

In den Jahren um die Jahrhundertwende begann auch eine Vielzahl deutscher Bibliotheken sogenannte Handschriftenabteilungen und Autographensammlungen einzurichten, in denen meist regional bez√ľgliches oder zuf√§llig in den Besitz der H√§user gelangtes verstaut wurde, was nicht unmittelbar bibliothekarischen Charakter hatte. Man war offensichtlich auf das Problem der schriftlichen Hinterlassenschaften von Dichtern, aber auch von Musikern, Philosophen, Malern, Wissenschaftlern aufmerksam geworden, und es entwickelte sich quasi naturw√ľchsig eine recht bunte Landschaft von Sammelstellen, wobei Stadtarchive und Stadtbibliotheken ebenso beteiligt waren wie Historische Museen, Akademien ebenso wie gro√üe Landes- und Staatsbibliotheken. Die spezifischen Schwierigkeiten der Archivierung von ‚Äúkultureller √úberlieferung‚ÄĚ im heutigen Deutschland haben hier ihren Ursprung.
Der Synergieeffekt des gro√üen Klassiker-Archivs in Weimar ergab sich dann noch einmal nach Ende des 2. Weltkrieges, als die Bundesrepublik Deutschland pl√∂tzlich ohne das als national repr√§sentativ geltende Goethe- und Schiller-Archiv dastand. 1955 wurde in Schillers Geburtsort Marbach am Neckar das Deutsche Literaturarchiv ins Leben gerufen, das √ľber die Jahre die gr√∂√üte Sammlung f√ľr literarische Hinterlassenschaften von deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts aufbaute, aber auch √ľber gro√üe Best√§nde aus dem 18. und 19. Jahrhundert verf√ľgt.

F√ľr die Kulturarchive in NRW im allgemeinen und im Rheinland im besonderen kann als Ausgangspunkt der Diskussion bedauerlicherweise immer noch das von Johannes Rogalla von Bieberstein 1979 vorgelegte Ergebnis einer Erhebung dienen, die er ein Jahr zuvor im Auftrag der Landesregierung im Blick auf die Situation im Bereich der literarischen Nachl√§sse durchgef√ľhrt hatte. Die dort beschriebenen Probleme sind seitdem keineswegs beseitigt, haben sich in manchen Bereichen eher noch verst√§rkt.

Ausgangspunkt f√ľr Rogallas Beschreibung des Ist-Zustandes sind die bekannten historischen Vorgaben in NRW: Kein klar definierter Bezugsraum, keine gewachsene archivische oder bibliothekarische Struktur und damit keine geregelten Zust√§ndigkeiten in der Zuordnung kultureller √úberlieferung, insbesondere bei Nachl√§ssen. Die beiden gr√∂√üten Kulturarchive sind bezeichnenderweise kommunale Einrichtungen in D√ľsseldorf und K√∂ln mit einer sehr unterschiedlichen Geschichte und Erscheinungsform:
Das Heinrich-Heine-Institut in D√ľsseldorf ist von seiner Geschichte und seinem Bestand her vor allem dem niederrheinisch-bergischen Raum verpflichtet und spiegelt jene oben angesprochene ungeordnete Sammelt√§tigkeit der Bibliotheken, die im 19. Jahrhundert einsetzte. Als Nachfolgeeinrichtung der Handschriftenabteilung der Landes- und Stadtbibliothek D√ľsseldorf hat es die Sammlungsbest√§nde der alten Bibliothek mit einer √ľber 200j√§hrigen Geschichte √ľbernommen, und zwar die Best√§nde seit Erfindung des Buchdrucks, w√§hrend die √§lteren Best√§nde an Handschriften und Inkunabeln als Dauerleihgabe der Stadt an die ULB D√ľsseldorf gegangen sind. Die Sammlungsbest√§nde reichen vom 17. Jh. mit einer gro√üen Handschrift des Barockdichters Friedrich Spee von Langenfeld bis zur aktuellen Gegenwart, sind aber vor allem auf das 19. und 20. Jh. konzentriert. Im 19. Jh. umfassen sie die Felder Literatur (Heinrich Heine und Umkreis), Musik (D√ľsseldorfer Musikdirektoren: Felix Mendelssohn, Robert Schumann), Kunst (schriftliche Hinterlassenschaften von Mitgliedern der D√ľsseldorfer Malerschule), in Einzelf√§llen auch Wissenschaft (Johann Benzenberg, Sch√ľler Lichtenbergs).

Vom Umfang her erheblich bedeutender sind die Best√§nde zum 20. Jh., wobei hier die Literatur die dominierende Rolle spielt. Die ca. 80 Nachl√§sse oder Nachla√üteile, die aus dieser Zeit und aus dem Bereich der Literatur stammen, bilden jetzt den Grundstock des ‚ÄúRheinischen Literaturarchivs im Heinrich-Heine-Institut‚ÄĚ, das sich in den letzten Jahren mit Hilfe der Stadt D√ľsseldorf, des Landschaftsverbandes Rheinland und in geringen Teilen auch des zust√§ndigen Landesministeriums gebildet hat, dessen Crew hier vor Ihnen sitzt und dieses Treffen initiiert und inhaltlich gestaltet hat. Es wird Ihnen noch ausf√ľhrlich vorgestellt.

Ist das Heinrich-Heine-Institut ein ‚Äúklassisches‚ÄĚ Kulturarchiv, so ist das Historische Archiv der Stadt K√∂ln, von seinem einzigartigen historischen Bestand her, im Gegenteil der Inbegriff eines klassischen staatlichen Archivs. Von seinem Selbstverst√§ndnis als repr√§sentativer Spiegel der Geschichte der Stadt K√∂ln her hat es auch schon fr√ľher allerdings eher vereinzelte Nachl√§sse wichtiger K√∂lner Kulturtr√§ger gesammelt und aufbewahrt, hat dieses au√üerhalb des gesetzlichen Auftrages liegende Feld aber insbesondere in den letzten Jahrzehnten intensiv bearbeitet, wobei allerdings selbstverst√§ndlich der Rahmen, anders als im D√ľsseldorfer Institut, durch die strikt kommunale Ausrichtung enger gesteckt ist. Everhard Kleinertz hat gerade erst eine gedruckte √úbersicht √ľber die im HAK verwahrte kulturellen √úberlieferung vorgelegt und damit die beste Antwort gegeben auf Spar- und Schlie√üungsgel√ľste der st√§dtischen Verwaltung. Eindrucksvoll ist die inhaltliche Breite der Nachl√§sse und Sammlungen, die von Architektur √ľber Literatur, Musik und bildende Kunst bis zu Photographie und Kleinkunst reicht und ihren zeitlichen Schwerpunkt - entsprechend der zuletzt erheblich gewachsenen Rolle K√∂lns auch als kultureller Metropole - in den Jahren nach 1945 hat.

Allerdings ist die j√ľngste K√∂lner Diskussion √ľber den Umgang mit diesen Best√§nden, die seitens der Verwaltung bis hin zum kw-Vorschlag reichte, in gewisser Weise typisch f√ľr das Schicksal kultureller √úberlieferung, die nicht in echten Kulturarchiven liegt, sondern in Einrichtungen wie Stadtarchiven, aber auch den verschiedenen Bibliothekstypen: da nicht durch den gesetzlichen Auftrag abgedeckt, stehen solche Arbeitsfelder immer als erste zur Disposition, wenn es um Sparma√ünahmen und Stellenk√ľrzungen geht. Trotzdem schaffen es viele Stadtarchive, aber auch Stadtbibliotheken und Universit√§tsbibliotheken in rheinischen Landesteil von NRW und nicht nur dort erfreulicherweise immer noch, ihre Best√§nde weiter zu pflegen und der Benutzung zug√§nglich zu halten, darunter so bedeutende Best√§nde und Sammlungen wie die der Stadtbibliotheken in Aachen und Wuppertal, der Stadtarchive in Bonn und M√∂nchengladbach oder der Universit√§tsbibliothek in Bonn und K√∂ln.
Neben diesen Sparten √ľbergreifenden Einrichtungen gibt es die Spezialarchive, die sich auf einzelne K√ľnste, K√ľnstler bzw. K√ľnstlergruppen oder auch auf Sammlungen beziehen. Als Beispiele seien genannt aus K√∂ln die Theatergeschichtliche Sammlung der Universit√§t in Schlo√ü Wahn, das Archiv f√ľr rheinische Musikgeschichte mit seinen beinahe 30 Musiknachl√§ssen, das Nyland-Archiv, in dem die Autoren der Gruppe der ‚ÄúWerkleute auf Haus Nyland‚ÄĚ vertreten sind, das Beethoven-Haus in Bonn, das Archiv des K√ľnstlervereins Malkasten in D√ľsseldorf oder das Goethe-Museum in D√ľsseldorf, dessen Best√§nde auf der Goethe-Sammlung des Insel Verlegers Kippenberg aufbauen.

Im westf√§lischen Landesteil sind herausragende Sammlungsbest√§nde vor allem in den gro√üen Bibliotheken in M√ľnster, Dortmund und Detmold zu nennen, wobei die ULB M√ľnster die "einzige Hochschulbibliothek des Landes ist, welche die systematische Sammlung von Schriftstellernachl√§ssen als ihre ureigene Aufgabe ansieht." (Rogalla, S. 14) Allerdings hat auch die ULB M√ľnster ihr Engagement zuletzt sehr einschr√§nken m√ľssen, was dazu gef√ľhrt hat, da√ü sich in M√ľnster inzwischen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine ‚ÄúWestf√§lisches Literaturarchiv‚ÄĚ konstituiert hat, das sich noch in der Aufbauphase befindet, aber immerhin bereits den bedeutenden Ernst-Meister-Nachla√ü akquirieren konnte. Ein drastisches Beispiel daf√ľr, wie Funktions√§nderungen in Bibliotheken zu einer ver√§nderten Einstellung zu den Sammlungen f√ľhren kann, gibt die Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund, die ihre bedeutenden Best√§nde an Nachl√§ssen und Handschriften zuletzt schm√§hlich vernachl√§ssigt und ihre Benutzung erheblich erschwert hat. Einzig die Lippische Landesbibliothek mit ihren gro√üen Best√§nden zur regionalen Kulturgeschichte mit Namen mit Grabbe, Freiligrath, Weerth, Lortzing oder Nicolai pflegt ihre Tradition mit unver√§ndertem Aufwand, was sicher auch mit den politischen Besonderheiten des lippischen Landesteiles zusammenh√§ngt.

Im Bereich der Literatur gibt einen √úberblick √ľber die Vielzahl der sehr unterschiedlichen Einrichtungen in NRW, die in diesem Feld t√§tig sind, das 1995 erschienene Bestandsverzeichnis der literarischen Nachl√§sse in NRW, das jetzt in v√∂llig √ľberarbeiteter Form auch im Internet vorliegt: f√ľr den rheinischen Landesteil unter www.rheinische-literatur-nachlaesse.de, f√ľr den westf√§lischen in K√ľrze unter der Seite der Literaturkommission f√ľr Westfalen. F√ľr die musikalischen Nachl√§sse liegt ein gedrucktes Verzeichnis aus dem Jahre 2000 vor: ‚ÄúVerzeichnis der Musiknachl√§sse in Deutschland‚ÄĚ, erschienen in Berlin beim Ehemaligen Deutschen Bibliotheksinstitut.


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