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Günter Herzog: Erste Erfahrungen zur Formulierung eines Dokumentationsprofils aus dem Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels ZADIK, Köln

Das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e. V., für das sich die Abkürzung ZADIK eingebürgert hat, wurde 1992 vom Bundesverband Deutscher Galerien BVDG gegründet als privates Archiv in der Form eines gemeinnützigen Vereins. Sinn und Zweck des ZADIK sollten sein – und damit wäre auch ein erstes Dokumentationsziel umrissen -, Archive von nach 1945 gegründeten Galerien und Kunsthandlungen zu sammeln, zu erschließen, selbst zu erforschen und anderen für die Forschung verfügbar zu machen. Damit sollte das ZADIK dazu beizutragen, die Geschichte des Kunsthandels zu erforschen und in die allgemeine Kunstgeschichte zu integrieren.

Ergänzend zu den inzwischen 92 Galeriearchiven sammelt das ZADIK auch die Archive von Kunstkritiker(inne)n (davon bisher 19) und Kunstsammlern (bisher 7) sowie die Archive von in der Kunstszene tätigen Fotograf(inn)en (bisher 11) und auch Archive von Kunstverbänden (bisher 10), wie dem Europäischen Kunsthändlerverband oder dem internationalen Kunstkritikerverband AICA, Sektion Deutschland, oder auch der in der Kunstpolitik der 1970er und 80er Jahre wichtigen 'Privatinitiative Kunst'. Dieses auf der ZADIK-website [1] stets aktualisierte Sammlungsrepertoire mit inzwischen mehr als 130 Beständen eröffnet sowohl dem Laien als auch dem Spezialisten Einblicke in verschiedenste Karrieren, Beziehungen und Entwicklungen des Kunstsystems, stets aus der Perspektive jener gesehen, die selbst prägende Elemente des Systems waren (und vielfach noch sind), und bietet damit Einsichten in einen Bereich, der dem Kunstpublikum gewöhnlich nicht zugänglich ist. Die verschiedenen Gegenüberlieferungen in den eben genannten Bestandstypen boten und bieten zugleich auch eine Hilfe beim Erkennen der möglichen Dokumentationsziele und Dokumentationsprofile des ZADIK.


Ursächlich für die Gründung des ZADIK im Jahr 1992 waren zwei miteinander verbundene Ereignisse im Jahr 1991: In diesem Jahr hatte der Bundesverband Deutscher Galerien zusammen mit der Kölnmesse dem Kölner Galeristen Hein Stünke für seine Verdienste um die Kunstvermittlung den ART COLOGNE-Preis verliehen, und kurz zuvor war bekannt geworden, dass der Kölner Galerist Paul Maenz das Archiv seiner gerade aufgegebenen Galerie ans Getty Research Institute in Los Angeles veräußert hatte. Dieser Verlust eines deutschen Galeriearchivs nach Amerika hat Hein Stünke dazu veranlasst, dem BVDG zum Dank für den ART COLOGNE-Preis sein Archiv zu schenken, und damit erhielt die schon länger von Gerhard F. Reinz, dem damaligen BVDG-Vorsitzenden, und auch von Stünke selbst favorisierte Idee zur Gründung eines zentralen Archivs für die Archive von Galerien den entscheidenden Impuls zu ihrer Verwirklichung. Mit einer Anschubfinanzierung des Bundes im Rahmen des Bonn-Berlin-Ausgleichs nahm das ZADIK 1993, angeschlossen an die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, seine Arbeit auf. Nach Auslauf der Fördermittel zog es 2001 nach Köln, wo mit der SK Stiftung Kultur der damaligen Stadtsparkasse, heute Sparkasse KölnBonn, seine wichtigste Förderinstitution sitzt.


Bis heute ist das ZADIK das weltweit einzige wissenschaftliche Spezialarchiv zur Geschichte des Kunsthandels geblieben, und es gibt tatsächlich nur eine sachverwandte Institution, die, wenn auch nicht hauptsächlich, so doch in vergleichbarer Konzentration und ähnlich systematischer Weise Galeriearchive sammelt, nämlich die 1954 gegründeten 'Archives of American Art' in der 'Smithsonian Institution' in Washington mit ihrer 'Collection of Gallery Records'. [2] Dort werden neben den Archiven von Künstlern, Sammlern, Kritikern, Kuratoren und anderen im Kunstsystem Tätigen ausschließlich die Archive amerikanischer Galerien gesammelt. Vor einigen Jahren konnte man die Galeriebestände im Internet noch zählen, weil sie noch gesondert aufgeführt waren, damals waren es schon mehr als zweihundert. Heute kann man sie nicht mehr zählen, weil sie im Alphabet des höchst umfangreichen Gesamtbestandes aufgegangen sind. Das 1980 gegründete Getty Institut in Los Angeles verzeichnet in seinen 'Special Collections' mit einem Gesamtbestand von 265 Beständen zur Zeit 16 Archive von Galerien und Kunsthändlern, unter den Kunsthändlern einige, deren Geschäfte bereits im ausgehenden 19.Jahrhundert gegründet wurden, wie etwa jenes der Familie Duveen, und die vielfach auf alte Kunst konzentriert waren. [3]

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