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Walter Gödden: Die LWL-Literaturkommission für Westfalen – zum Profil einer wissenschaftlichen Institution zwischen Grundlagenforschung und populärer Vermittlung

Über all dies ließe sich noch viel berichten, doch an dieser Stelle erst einmal ein Punkt. Oder doch noch ein Post Scriptum: Wenn heute vom Literaturland Westfalen gesprochen, ja teilweise in höchsten Tönen geschwärmt wird, ist das nicht zuletzt auch das Verdienst des Literaturmuseums und damit auch unserer Kommission als Ideengeber und betreuende Instanz.

Wir haben uns inzwischen weit von der Statistik entfernt und sind, zugegebe-nermaßen, auch ein wenig ins Schwärmen geraten. Sind aber keinen Millimeter von der Fragestellung nach dem Profil der Literaturkommission abgewichen. Denn dieses Profil stellt sich mittlerweile als ein sehr offenes dar, als eine Art hybrides Gebilde. Es bezieht die Literatur auch in ihrer Praxis mit ein, also die Gegenwartsliteratur in ihren vielen Facetten und Ausdrucksformen.

Was nun andererseits nicht den Eindruck erwecken darf, wir würden die seriöse Grundlagenforschung vernachlässigen. Dafür sind wir denn doch durch unsere editorischen Lehrjahre zu positivistisch sozialisiert. Dem literarhistorischen, quellenkundlichen Arbeiten haben wir aus Überzeugung nie abgeschworen, sondern schätzen es als ein adäquates Fundament unserer Arbeit (was freilich nicht heißt, dass wir aktuellen literarisch-kulturphilosophischen Diskussionen und Debatten fernstehen).

Die Arbeitsbereiche, die noch erwähnt werden sollen, müssen, erfordern jedoch alle Voraussetzungen der Kärrnerarbeit:

a) die Pflege von sechs Datenbanken mit steter Aktualisierung der Angaben zu über 2.200 westfälischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern (jenen aus dem erwähnten Westfälischen Autorenlexikon) sowie literarischen Nachlassarchiven.

b) www.literaturportal-westfalen.de, eine Seite, die rund 100 Hauptwerke der westfälischen Literatur vorstellt und mit einem Stichwort-ABC von A wie Arbeiterliteratur, Alphabetisierung, Anthologie bis Z wie Zukunft der westfälischen Literatur aufwartet, einem Schauplatz ABC sowie Kontaktadressen etc. Hier kann man nicht nur viel über westfälische Literatur nachlesen und -recherchieren, sondern sich Texte im O-Ton oder von Profi-Sprechern eingelesen auch anhören.

c) Erwähnenswert ist die Bibliothek Westfalica mit Online-Lesebüchern, digitalen Best-of-Auswahlbänden zu inzwischen 29 westfälischen Autorinnen und Autoren

d) ferner die von uns in Kooperation mit dem Rheinischen Literaturarchiv
betriebene Internet-Zeitschrift www.literatur-archiv-nrw.de – mit Themen rund um Fragen literarischer Überlieferung, Editionen, Tagungen, Buchrezensionen

e) sowie natürlich das Droste-Portal, über das allein schon ein abendfüllender Vortrag gehalten werden könnte – die repräsentative Seite der Droste-Forschung mit Angaben zur Biografie der Autorin, Online-Editionen ihrer Werke, News-Ecke, Bibliographie, Galerie, englischen Seiten, Hinweisen auf Neuerscheinungen etc. Und auch hier: Film-Sequenzen über die Autorin, wie sie sich zum Beispiel im Online-Portal Youtube finden lassen.

All das will erst einmal recherchiert, sortiert und publiziert sein. Und wir sind nur ein kleines Arbeitsteam mit einem nicht gerade üppigen Etat.

Ich komme zum Schluss und auf meine Eingangsfrage zurück: »Wie ist die Liko aufgestellt, wie ist sie zu dem geworden, was sie ist?« Sie können meine oben erwähnte Antwort »Es hat sich halt so ergeben« nun vielleicht besser nachvollziehen. Denn planbar war vieles nicht. Das eine entwickelte sich aus dem anderen und oft entwickelten die Ränder eine ungeahnte Eigendynamik. Auch jetzt stehen wir wieder vor Eck- und möglichen Wendepunkten: Was wird aus Burg Hülshoff. Lässt sich dort ein neues Droste-Museum aufbauen? Wie soll es aussehen? Welche Rolle spielen dabei die neuen Medien? Welches Begleitprogramm, welches Profil, ließe sich für ein solches Haus denken?

Mit der Zeit sind wir mutiger geworden. Sind unkonventionelle Wege gegangen wie bei der Pop- und Unterhaltungsliteratur-Ausstellung, beim radikalen Blick auf August Stramm, Gustav Sack oder jetzt bei der Präsentation neuer, noch rein fiktiver Entwürfe für ein Droste-Museum. Wir hatten, zugegeben, bei solchen Projekten im Vorfeld nicht immer ein gutes Gefühl, fürchteten die Kritik unserer eigenen Zunft, die uns unseriöser Abwege bezichtigen könnte. Auf den Punkt gebracht: Vertragen sich Pop-Konzerte und Poetry Slam mit dem traditionellen Zuschnitt einer wissenschaftlichen Kommission?

Ich würde diese Frage mit einem entschiedenen JA beantworten. Die Offenheit gegenüber alternativen Fragestellungen und neuen Medien hat unsere Kommission in jeder Hinsicht gut getan. Und es waren besonders unsere Side-Projekte, die eine sehr gute Resonanz hatten, die LiKo ins Gespräch brachten.

Die Kontakte zur Gegenwartsliteratur, auch zu Musik und zum Film, haben unser eigenes Denken bereichert und beflügelt. Das Networking ist nicht nur in persönlicher Hinsicht ein Gewinn, sondern kommt auch unseren Projekten und Veröffentlichungen zugute. Nicht zuletzt unserem Jahrbuch Literatur in Westfalen, das inzwischen auch literarische Werkstattberichte und verstärkt Interviews enthält. Heute verstehen wir uns auch als Moderatoren, die auf vielen Arbeitsfeldern unterwegs sind.

Für uns heißt das alles: Das eine tun und das andere nicht lassen; die Grund-lagenforschung als Standbein nicht zu vernachlässigen, aber das Spielbein ebenso zu pflegen, auch als Stimulanz, damit uns die Lust an der Literatur erhalten bleibt und nicht durch ausschließliche Schreibtischtätigkeit verleidet wird.

Anmerkung: Eine Übersicht zu erwähnten Projekten und Veranstaltungen gibt die Homepage der Kommission www.literaturkommission.lwl.org unter dem Punkt »Veranstaltungen«. Auch hinsichtlich der genannten weiteren Titel sei auf die Homepage verwiesen, die sämtliche Titel ausführlich vorstellt.

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