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Jochen Grywatsch: Die Balance von Strategie und Zufall

Überlegungen zum Dokumentationsprofil des Westfälischen Literaturarchivs

2. Das Dokumentationsprofil

2.1. Begriff
Bevor das Konzept näher ausgeführt werden soll, zunächst kurz zum Begriff des Dokumentationsprofils, der hier in Rede steht, und dazu, was sich aus einer grundlegenden Verständnisebene mit ihm verbindet. In der neueren archivischen Diskussion ist er, wie gesagt, sehr präsent. Und er wartet darauf, weiter kontextualisiert zu werden. Dazu soll auch unsere Tagung beitragen.
Was ist also gemeint, wenn von Dokumentationsprofilen die Rede ist? Als Arbeitsdefinition soll im ersten Schritt, angelehnt an die Ausführungen Max Plassmanns zur Arbeit der Universitätsarchive, festgehalten werden: Entwicklung von Strukturen und Festlegung inhaltlicher Ziele für die Überlieferungsbildung (im Archiv) [4]. Dabei bezeichnen die Dokumentationsziele unabhängig von verfügbaren Unterlagen, welche Bereiche – welche Themen, Informationen, gesellschaftliche Phänomene und kulturelle Ereignisse – im Archiv abgebildet werden sollen.

2.2. Geschichte
Begriff und Ansatz, das sei am Rande erwähnt, sind durchaus nicht unumstritten. Ein Grund dafür ist der, dass er in den 1970er Jahren in der DDR-Archivistik geprägt wurde und dort als „Schlüssel zur positiven Auswahl von Dokumenten als Archivgut“ etwas bezeichnete, was darauf angelegt war, gewissermaßen sakrosankt zur historischen Tatsache zu (v)erklären, was bei der Erforschung der Geschichte der sozialistischen Revolution im Arbeiter- und Bauernstaat zu behandeln war. [5]
1972 haben dann Begriff und Konzept dann durch den westdeutschen Bundesarchivar Hans Booms neue Gestalt erhalten. „Gesellschaftsordnung und Überlieferungsbildung“ lautete der Titel seines Beitrages zur Aufstellung von Dokumentationsplänen als Hilfsmittel der inhaltlichen Bewertung. [6] Er hat eine nachhaltige Diskussion ausgelöst und vor allem starke Kritik hervorgerufen – und konnte damit keine positiv-nachhaltigen Impulse setzen.
Und aktuell, in den letzten etwa zehn Jahren, wird nun erneut und intensiv über Sinn und Unsinn von Dokumentationsprofilen geschrieben und gestritten.

2.3. Die aktuelle Diskussion
Heute werden diese Diskussionen konkret geführt in drei Bereichen,
   1. der Kommunalarchive
   2. dann der Hochschularchive
   und 3. neuerdings auch bei den Kulturarchiven.
Sichtbaren Ausdruck findet dies einmal: in der 2008 von der Bundeskonferenz der Kommunalarchive verabschiedeten „Arbeitshilfe zur Erstellung eines Dokumentationsprofils für Kommunalarchive“ [7], weiter in dem veröffentlichten „Dokumentationsprofil für Archive wissenschaftlicher Hochschulen“ des Saarländischen Universitätsarchivs [8] sowie in den Aktivitäten des Westfälischen und des Rheinischen Literaturarchivs, die zuletzt im Sommer diesen Jahres gemeinsam die Tagung „Dokumentationsprofile kultureller Überlieferungen“ durchgeführt haben [9].
Im klassischen archivischen Bereich der staatlichen Überlieferung resultieren die Bemühungen um Dokumentationsprofile vor allem aus der intensiv geführten Bewertungsdiskussion, also der Verständigung um die Auswahl von Überlieferungsgut – gerade im Kontext des Umgangs mit Massenakten. Dokumentationsprofile sind also zunächst insbesondere als Hilfsmittel bei der archivischen Bewertung gefragt. Doch es sind weitere Gesichtspunkte zu berücksichtigen, bedingt durch globale, übergreifende, gesamtgesellschaftliche Veränderungsprozesse, die die Entwicklung und den Einsatz von Dokumentationsprofilen erforderlich machen.

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